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Das Redeverbot

Das Redeverbot

Antirassisten bekommen an der Universität Wien Auftrittsverbot.

Der heute 70-Jährige hat ein bewegtes Leben hinter sich. 19 Jahre davon verbrachte er als politischer Gefangener in US-Gefängnissen, bevor ihm der Staat wegen eines Fehlurteils 400.000 Dollar Entschädigung zahlte. Heute sieht er sich als „Kämpfer für einen pan-afrikanischen, nicht-eurozentrischen Blick auf die koloniale Vergangenheit und die rassistische Gegenwart in Amerika“, wie er auf einer Pressekonferenz mitteilte. Darüber sollte er vor Studierenden an der Universität Wien sprechen.

Sollte. Denn aus dem angekündigten Vortrag wurde nichts. Wenige Tage vor der Veranstaltung begann die „Österreichische Hochschülerschaft“, unterstützt von der „Vereinigung jüdischer Hochschüler in Österreich“, Druck auf das Institut für Afrikanistik und seine stellvertretende Leiterin, Birgit Englert, auszuüben. Anfangs ging es vor allem gegen den Mitveranstalter „Dar al Janub“, eine Wiener Nichtregierungsorganisation, die sich den kulturellen Dialog auf ihre Fahnen schreibt. Dass sie im Rahmen der BDS-Bewegung auch zum Boykott israelischer Waren aufruft, brachte die Kampagne ins Rollen. Im Nu war auch Dhoruba bin Wahad als Antizionist geoutet, was offensichtlich bereits Grund genug für die Lancierung einer Initiative „Kein Platz für Antisemit*innen an der Uni Wien“ war.

Die Kampagne gegen bin Wahad war umso erstaunlicher, als dass sein Vortrag überhaupt nichts mit dem Thema Nahost zu tun gehabt hätte, geschweige denn mit Israel. Er war nach Wien gekommen, um über seine Erfahrungen mit Rassismus und Kolonialismus zu sprechen. Das „Institut für Afrikanistik“ wollte sich dementsprechend nicht geschlagen geben und forderte die akademische Community auf, gegen den Versuch Stellung zu nehmen, eine kritische Stimme mundtot zu machen.

Über 100 UniversitätslehrerInnen aus aller Welt unterschrieben den „Offenen Brief“, indem sie die Einmischung der Österreichischen Hochschülerschaft und der jüdischen Studierenden verurteilten. Darunter waren auch international bekannte Forscher wie Henning Melber, Ilan Pappe oder Moshe Zuckermann.

Geholfen hat es nichts. Der Druck auf das Institut für Afrikanistik und bin Wahad nahm zu. Der frühere Black Panther sollte nicht zu Wort kommen dürfen. Um die Kampagne gegen ihn zu verschärfen, wandten sich die Initiatoren direkt an das Rektorat der Universität Wien. Dieses erließ – unter Umgehung des Instituts – zwei Auflagen zur angekündigten Vorlesung von bin Wahad. Er dürfe nicht über Nahost sprechen und die Vorlesung dürfe nicht öffentlich sein, also nur von den circa zehn TeilnehmerInnen des Seminars besucht werden. Unter solchen Umständen sah bin Wahad keinen Sinn mehr, an der Universität aufzutreten. Das Rektorat war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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