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Das Poetikon

Das Poetikon

Dichtung für eine (R)Evolution aus Geist und Liebe. Teil 9.

Friedrich Hölderlin:
„Hyperion oder der Eremit in Griechenland“ (Text-Collage).

In dieser Friedrich-Hölderlin-Jubiläums-Collage aus Hyperion-Passagen werden alle aktuellen und lebenswichtigen Themen gestreift, die Hölderlin bereits seinerzeit als die wesentlichen Kernpunkte ausmachte. Bis heute haben sie nichts an Brisanz verloren.

Im Gegenteil: Die falsch verstandene Definition von Lebendigkeit, die uns zu unvollkommenen Zufallswesen degradiert, die nichts Besseres verdient haben, als unterdrückt zu werden, wird mit aller Wortmächtigkeit infrage gestellt. Wenn wir uns von diesen Ketten befreien, fällt übrigens auch die ganze Pandemie-Agenda in sich zusammen. In einer ganzheitlichen Definition von Lebendigkeit gibt es diese Pandemie nicht. Die Rückverbindung mit der Natur, der Quelle allen Seins, ist Heilung. Diese Ordnung ist allgegenwärtig, wir müssen uns nur für sie öffnen, mit unserem freien Willen.

In seinem lyrischen Roman fordert uns der Dichter auf, uns aus den Banden der Spaltung, die uns durch eine von der Natur trennenden Wissenschaft aufoktroyiert wird, zu befreien. Hyperion schreibt an Bellarmin:

„Ach! wär ich nie in eure Schulen gegangen. Die Wissenschaft, der ich in den Schacht hinunter folgte, von der ich, jugendlich töricht, die Bestätigung meiner reinen Freude erwartete, die hat mir alles verdorben.

Ich bin bei euch so recht vernünftig geworden, habe gründlich mich unterscheiden gelernt von dem, was mich umgibt, bin nun vereinzelt in der schönen Welt, bin so ausgeworfen aus dem Garten der Natur, wo ich wuchs und blühte, und vertrockne an der Mittagssonne.“

Auch macht Hölderlin einen feinen Unterschied zwischen Patriotismus und (Inter)Nationalismus. Das „Vaterland“ ist gleichbedeutend für ihn auch unsere Kultur, die Schönheit des Ortes, unsere tiefe Identität mit der Schöpfung und kein systemisches Gängelband, das durch die Wissenschaft definierte Weltsichten als Unterdrückungsmittel einsetzt und alle Menschen durch Konzern-Globalismus entwurzelt. Der Staat hat schlank zu sein, ein liebender Schutzraum um den Garten Eden.

Der elementare Fehler ist, den „Staat zur Sittenschule“ zu machen. So wird er zur Hölle, die wir nun heute vor uns sehen: eine Diktatur im Namen von Sicherheit und aseptischer Gesundheit.

Hölderlin verzagte nicht in Ungeduld. Vor mehr als 200 Jahre ahnte er, dass er seiner Zeit voraus war. Wir sind nun an der Schwelle zu dieser Neuen Welt, die jetzt möglich wird, weil die uns übergestülpte Absurdität des artifiziellen Konstrukts sichtbarer ist als je zuvor. Jetzt können wir uns dessen mit einer kleinen Bewegung (des Geistes) befreien. Wir sind die, auf die wir gewartet haben. Das wird klar beim Hören dieser Texte: Der Dichter hat die Zeilen für uns geschrieben, um uns zu stärken!

Unaufhaltsam kommt dieser heiß ersehnte Wandel zur Freiheit und zum Frieden. Es ist nur noch eine Frage des Timings, das war Hölderlin bereits damals klar: „Der Frühling der Völker“, der „durch den Regen allein“, durch das göttliche Gießen aufblüht „kömmt gewiss“. Der Unrechtsstaat kann nichts ausrichten gegen den Regen Gottes. Das Fürchterliche ist machtlos vor dem Furchtlosen. Nur Mut!

Beeindruckend ist die Wortwahl: „Wir schlafen in unseren Krankenhäusern, dies zeugt vom nahen gesunden Erwachen.“ — der Tag ist nah. Auch Hyperion-Hölderlin hatte Anflüge von Depressionen und Niedergeschlagenheit bei all dem Übel, das schon damals massiv die natürlichen Bedingungen einzuschränken begann und uns heute scheinbar zum Strick gedreht um den Hals gelegt wird. Unser „Vaterland“ gleicht nun einem „Totengarten“ und „das Messer des Jägers“ wird gewetzt durch das gegeneinander Aufhetzen der Bevölkerung mittels Diffamierung und Propaganda.

Doch die Hoffnung stirbt nicht: „Aber du scheinst noch, Sonne des Himmels!“ – Wir können uns an den Zyklus und die Schönheit der Natur halten, uns regenerieren an und in ihr. Gott spricht mit uns durch das Rauschen der Bäume und jeden Vogelgesang. Diese Sprache ist universell und sie ist ewig. Und so ist Hyperion ein Lobgesang des Lichts und der Liebe.

Einsamkeit wird zum All-ein-Sein, verbunden mit dem Ganzen. Hölderlins Worte sind auch eine Lobhymne an die Meditation, an die Einkehr. Alles zu finden ist, wie alles verlieren. Alles verlieren, was uns teuer war. Das erleben wir gerade jetzt, wo wir Freunde, Arbeit und all das zu verlieren beginnen, an dem wir uns bisher orientierten. Das Loslassen ist der Weg in die Freiheit — das Loslassen der falschen Identifikationen mit dem Materiellen, mit den Statussymbolen dieser Welt, das Loslassen des Überflüssigen, dessen, was uns vom Wesentlichen ablenkt.

Nie lassen Hölderlins Worte Gedanken an Engstirnigkeit und Dogmatismus aufkommen, die Genügsamkeit wird aus der Fülle und aus dem Bewusstsein des Reichtums heraus gedacht und entwickelt.

Das revolutionäre Hölderlin-Jahr 2020 neigt sich dem Ende. Im 250. Jahr nach seiner Geburt ist die „Revolution der Gesinnungen und Vorstellungsarten“, die der Dichter sich damals erträumte, endlich auf der Tagesordnung. Der Wandel im Bewusstsein wird unsere Rettung sein, wenn wir aufhören, alles durch Inversion auf den Kopf zu stellen — Schönheit ist scheußlich und Hässlichkeit ist schön —, alles aus dem Mangel, aus der Unterdrückung und Geringschätzung heraus zu definieren, der Mensch sei nur ein Fehler.

Hölderlin plädiert für ein Austausch auf Augenhöhe mit dem Göttlichen. Er definiert Gott nicht als Unterdrücker, sondern ungebundenes, absolutes Bewusst-Sein in Liebe und Wahrheit. Wir, seine Manifestationen in der Materie, verwirklichen Schöpfung durch unser Da-Sein. Wir sind Mitschöpfer. Durch die Natur, deren Teil wir sind, spricht die Quelle allen Seins mit uns, zurück zu den Wurzeln des Himmels — in uns. Aus der Adlerperspektive, die Hölderlin gerne einnahm, gleicht das „kochende Meer der Woge eines Kornfeldes“.

Wir finden Heilung und Klarheit in der Schönheit der Natur. Das ist auch ein Ergebnis des Jahres 2020: Nie war der Zyklus der Natur so präsent in unserem vergesellschafteten Leben als in diesem Jahr. Wir wurden zur Einkehr gezwungen — und finden die Freiheit und das Himmelreich inwendig in uns. Dies soll unser Leitfaden sein, um uns eine Schneise des Lichts durch die Herausforderungen dieser Zeit zu bahnen. In dem wir diesen Weg der Freude den Raum geben, vernichten wir gewaltfrei die Welt der Spaltung.

Das ist die Essenz Hölderlins: Er lebt in uns, seinen Lesern, seinen Seelengeschwistern und Weggefährten im Geiste weiter. Seine Worte, ihre Aneinanderreihungen, haben heilsame Kraft. Seine Visionen schenken uns Mut und Zuversicht. Sie können uns inspirieren, wie wir die aktuelle Lage meistern. Deshalb ist das Eintauchen in den Hölderlin‘schen Kosmos sehr empfehlenswert, selbst wenn der Einstieg für den Verstand nicht immer leicht ist. Die Assoziationen und Bezüge wirken oft enigmatisch. Aber man kann es auch als Musik verstehen und einfach anhören. Dieses Poetikon soll erneut dazu motivieren.


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