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Das Immunflucht-Märchen

Das Immunflucht-Märchen

Die vermeintliche Warnung des belgischen Virologen Geert Vanden Bossche entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Plädoyer für noch „effektivere“ Impfstoffe.

Seit Dezember hören wir, dass die Mutationen des Virus so viel gefährlicher geworden sind, wir deshalb zwei Meter Abstand halten, die Produzenten von FFP2-Masken durch eifriges Kaufen unterstützen, uns bald schon täglich testen müssen, egal ob wir gesund sind oder nicht, und uns noch zusätzlich alle sechs Monate zwei Dosen eines gentechnischen Präparates spritzen lassen sollen.

Unterstützt wird die Geschichte der angeblich so gefährlichen Mutationen nun auch von einem Geert Vanden Bossche, der originellerweise die Impfung verantwortlich macht für neue, noch zu findende, ganz gefährliche Mutationen. Man brauche also eine noch viel bessere Impfung, so seine Schlussfolgerung.

In einem Artikel in Lockdown Sceptics befasst sich der ehemalige Forschungsleiter und Vizechef von Pfizer, Michael Yeadon, mit den Mutationen und geht der Frage nach, ob sie gefährlicher sind und ob es Immunevasion gibt. Yeadon belegt mit einer Reihe wissenschaftlicher Studien, dass die Veränderungen weder zu mehr Infektiosität noch zu höherer Gefährlichkeit führen und dass eine Immunevasion keineswegs stattgefunden hat und auch durch weitere Veränderungen nicht stattfinden wird, zumindest nicht in absehbarer Zeit. Ausgetauscht wurden lediglich einige Aminosäuren, und zwar im Ausmaß von 0,3 Prozent, 99,7 Prozent des Virusgenoms sind identisch bei allen Varianten. Von Mutationen kann man wissenschaftlich korrekt erst sprechen, wenn Gene verändert werden, was aber nicht passiert ist.

Die Behauptungen von Vanden Bossche

Am 6. März 2021 wurden ein offener Brief von Dr. Geert Vanden Bossche und ein Video-Interview von Dr. Phillip McMillan mit ihm von einer Firma namens Vejon Health online gestellt. Bossche hat zuerst ein Studium als Tierarzt und anschließend als Virologe abgeschlossen.

Oberflächlich betrachtet, scheint Vanden Bossche vielleicht glaubwürdige Bedenken über COVID anzusprechen. Er behauptet, dass die aktuell verwendeten COVID-Impfstoffe das neuartige Coronavirus zu einem „superinfektiösen Virus“ mutieren lassen. Deshalb fordert er einen sofortigen Stopp der Verwendung der aktuellen Impfstoffe.

Hier haben zumindest bei mir die Alarmglocken geläutet, denn für „superinfektiöse neue Viren“ gibt es bisher nicht den geringsten wissenschaftlichen Beleg. Es ist vielmehr die Geschichte, mit der in vielen Ländern immer härtere und weitergehende Maßnahmen durchgesetzt werden sollen, an denen aber nur die Pharmaindustrie verdient.

Und Bossche weiter: Wenn der Mensch „sich dem Fortbestand unserer Spezies verpflichtet fühlt, haben wir keine andere Wahl, als diese hoch infektiösen Virusvarianten“ durch „große Impfkampagnen“ auszurotten, behauptet er am Ende seines offenen Briefes. Allerdings, so fährt er fort, müssten diese neuen Impfstoffe im Gegensatz zu den derzeit verwendeten COVID-Impfstoffen auf die Stimulation der Massenproduktion der als natürliche Killerzellen bekannten Komponente des Immunsystems setzen.

Viele Forscher, insbesondere die vom La Jolla Institute for Immunology in Kalifornien, haben nachgewiesen, dass die Immunität durch T-Zellen lang anhaltend und dauerhaft ist.

Sie haben gezeigt, dass die T-Zellen mindestens 30 bis 40 unterschiedliche Merkmale des Virus erkennen. Sie haben weiter ausgeführt, dass das Virus der zellulären Abwehr des Immunsystems nicht entkommen kann, weil diese bei jedem Menschen leicht unterschiedlich ist und sich daher Viren auf nichts einstellen können. Diese angeblich mögliche Anpassung an die Menschen wird vertreten von manchen Virologen und von den Verfechtern von ZeroCovid.

Die Immunologen in La Jolla haben nachgewiesen, dass die T-Zellen mühelos alle bekannten Varianten des Virus erkennen und es wirkungsvoll bekämpfen und vernichten können. Und das selbst dann, wenn einzelne Arten von Antikörpern das Virus nicht mehr erkennen und neutralisieren können.

All diese Erkenntnisse der Immunologen über die Wirkungsweise des Immunsystems auch bei SARS-CoV-2 und COVID-19 widersprechen eklatant den Aussagen des belgischen Virologen. Angesichts seiner früheren Arbeitgeber ist auch denkbar, dass er eine bestimmte Agenda verfolgt. Oder er hat möglicherweise als Tierarzt und Virologe Probleme, das für ihn fremde Fachgebiet der Immunologie zu verstehen. Wie das ja auch bei anderen Virologen zu vermuten ist.

Seine Theorie, dass adaptive Immunität die angeborene beeinträchtigt oder sogar blockiert, ist völlig absurd. In dem Zusammenhang bewertet er die Rolle der Antikörper zu hoch und unterschätzt die der T-Zellen.

Das ist schon alleine deshalb falsch, weil die Impfung nur Antikörper im Blut erzeugt, die die Lunge schützen können, aber eben nicht im oberen Atemwegstrakt, wo die erste Abwehr aller eingeatmeten Keime durch T-Zellen sowie die kleinen IgA1-Antikörper stattfindet. Diese finden sich natürlich in den Schleimhäuten, wo die Impfung in den Muskeln keine Abwehr aufbaut. Das ist nebenbei gesagt auch der Grund, warum es durch diese Art der Impfung keine sterile Immunität gibt, die eine Infektion verhindern kann. Gilt auch bei Grippe- und andern Impfungen.

Auch Wolfgang Wodarg hat sich unter dem Tweet von Vanden Bossche ablehnend geäußert:

„Wenn ein Virus flüchten muss, um zu überleben, wäre es nicht erfolgreich, wenn es dies auf eine Art und Weise tut, die seine Wirte tötet oder immobilisiert. Der evolutionäre Druck zwingt Viren auf lange Sicht dazu, sich mit ihren Wirten anzufreunden. Viele von ihnen haben sich sogar erfolgreich in das menschliche Genom integriert. Es gibt aber noch einen viel größeren Stress: Wird ein Virus durch eine Impfung ausgelöscht, ändert sich schnell das virale Quorum, und andere werden versuchen, die Lücke zu füllen.“

In einem Diskussionsbeitrag auf Telegram äußert sich auch Yeadon nochmals deutlich:

„Bei allem Respekt, ich stimme nicht zu, dass ein Risiko wie beschrieben besteht. Ich bin nicht davon überzeugt, dass Antikörper eine wichtige Rolle beim Schutz spielen, sicherlich gegen schwere Krankheiten. Diese Aufgabe obliegt anderen Komponenten des Immunsystems, insbesondere den T-Zellen, den zytotoxischen T-Lymphozyten, die darauf trainiert sind, virusinfizierte Zellen zu erkennen und zu zerstören.

Antikörper können das nicht tun, da sie sehr große Moleküle sind, von denen man im Allgemeinen annimmt, dass sie außerhalb der Zellen bleiben. Doch das Virus befindet sich innerhalb der Zellen und vermehrt sich dort. Erst wenn sie Fragmente von sich selbst auf der Oberfläche dieser Zellen hinterlassen und von T-Zellen erkannt werden, werden sie für eine kontrollierte Zerstörung markiert und damit auch das Virus in ihnen.

Diese Fähigkeit, das Virus zu erkennen, nutzt eine komplexe ‚molekulare Identitätsparade‘: Das Virus wird in Hunderte von einzigartigen kurzen Stücken zerlegt. Jeder von uns besitzt eine enorme Vielfalt an T-Zellen, die in der Lage sind, diese einzigartigen Stücke des fremden Eindringlings zu erkennen und sich dann durch eine sogenannte klonale Expansion zu vermehren, bis wir Hunderte von Millionen jedes T-Zell-Typs gegen mehrere Dutzend verschiedene Stücke des Virus haben.

Wenn uns eine Variante infiziert, bleibt der Großteil der Virussequenz unverändert, und fast jeder trainierte T-Zelltyp findet und tötet immer noch Zellen, die dieselben Teile tragen, für deren Erkennung er trainiert ist, und tötet mit Varianten infizierte Zellen.

Dies wurde in jüngsten Experimenten von talentierten Immunologen am La Jolla Institute in Kalifornien gezeigt. Sie müssen auf Hochtouren arbeiten, und ihre Arbeit ist Weltklasse.

Es gibt sehr viele Autoren, aber suchen Sie nach Arbeiten in Cell (2021) vom Hauptautor A. Tarke et alii.

Sie haben eine umfassende Studie über jeden Protein-‚Schnipsel‘ gemacht, in den dieses Virus geschnitten wird, und fanden etwa 600 einzigartige Stücke.

Jeder Mensch verwendet ein paar Dutzend Schnipsel, um seine T-Zellen zu trainieren, und diese Sammlung wird unser ‚Repertoire‘ genannt. Unser Repertoire ist einzigartig: Meines unterscheidet sich von Ihrem, die Permutationen und Kombinationen der Schnipsel, die wir jeweils verwenden, um uns zu schützen, sind unterschiedlich.

Das bedeutet nicht nur, dass das Virus das Äquivalent von 40 Sechsen in einer Reihe würfeln muss, um der Immunität zu entgehen, sondern selbst in diesem unwahrscheinlichen Fall hat es keine Bedeutung für die Population. Denn jeder von uns hat ein anderes Repertoire.“

Also nochmal: Unsere trainierten T-Zellen erkennen mindesten 30 bis 40 verschiedene Sequenzen des Virus. Und zwar bei jedem Menschen leicht unterschiedliche Sequenzen. Es muss schon sehr viel an Mutationen geschehen, dass das mutierte Virus allen T-Zellen „entkommen“ kann. Das ist auch der Grund, warum es Kreuzimmunität mit SARS-CoV-1 und allen anderen Corona-Erkältungsviren gibt und warum so viele Infektionen völlig ohne Symptome oder mit sehr milden verlaufen.

Angesichts dieser bekannten wissenschaftlichen Erkenntnisse ist die Theorie der „Immunflucht“ nicht haltbar. Und ebenso wenig das Entstehen der „hoch infektiösen Variante“.

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