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Das große Ablenkungsmanöver

Das große Ablenkungsmanöver

Ernst Wolff erklärt im Interview mit Rubikon, warum die Coronakrise nur ein Alibi ist, um den längst überfälligen Crash des globalen Finanzsystems zu vertuschen.

Der Lockdown verlangt den Bevölkerungen massive kollektive Stressresistenz ab. Kein Wunder, dass sich im Zuge der Lockerungen die selektive Wahrnehmung vieler auf Normalisierung und Erholung richtet. Das ist verständlich, denn die Stressresistenz der menschlichen Psyche funktioniert nicht unbegrenzt. Menschen sind nur dann imstande, längerfristig starke Belastungen auszuhalten, wenn sie zum einen wissen, wofür sie es tun, und zum anderen ein Ausweg in Sicht ist.

Da sich viele Maßnahmen der Regierung mit der Zeit selbst zu entlarven scheinen und ihre Rechtfertigungen in sich immer unschlüssiger werden, bröckelt das „wofür“ sichtlich und so ist es verlockend, mit der Rückkehr des öffentlichen Lebens in den Optimismus zu verfallen, dass es nun auch für die deutsche und die Weltwirtschaft wieder bergauf gehe. Schaut man auf die Zahlen an der Börse, scheint dies auch gar nicht so unrealistisch, denn nach dem gigantischen Einbruch im März befinden sich nun die meisten Aktien auf Erholungskurs. Doch wie viel hat das, was an der Börse passiert, tatsächlich mit der Realwirtschaft zu tun?

Nicht viel, sagt Ernst Wolff, Finanzexperte und mehrfacher Bestsellerautor im Interview mit Flavio von Witzleben. Liefer und Handelsketten wurden unterbrochen. Der vollständige Wiedereinstieg in die Produktion werde schwerfallen, auch weil, so Wolff, mit der angekündigten zweiten Corona-Welle im Herbst eine Pleitewelle klein- und mittelständischer Unternehmen einhergehen werde. Gewinner der Geschehnisse der letzten Monate seien vor allem einmal mehr die Wall Street, Großbanken und das Silicon Valley sowie Multimilliardäre im Hintergrund. Hier nennt Wolff Namen wie Bill Gates, Laurence Fink oder Eric Schmidt und führt aus, diese hätten, würde man sie in einem Raum versammeln, wahrscheinlich mehr Macht als die wichtigsten europäischen Staatschefs.

Dazu kommt, dass ein Interesse bestimmter Gruppen an einem Finanzcrash nicht ausgeschlossen ist, da die großen Hedgefonds wie Blackrock sowohl von steigenden als auch von fallenden Kursen profitieren können, letzteres mithilfe der berüchtigten Leerverkäufe, indem sie Aktienpakete nicht kaufen, sondern sich nur leihen, um sie später wieder abzugeben. Für die großen global Player der Finanzindustrie ist es also gar nicht so relevant, ob Kurse steigen oder fallen, geschweige denn, inwiefern sich diese Tendenzen in der Realwirtschaft widerspiegeln. Für Ernst Wolff ist die Coronakrise vor allem eines: ein riesiges Ablenkungsmanöver.

„Wir sollen alle abgelenkt werden von dem, was im Wirtschafts- und Finanzsystem passiert, und wir sollen alle in Angst und Schrecken versetzt werden, damit wir in einer Art Duldungsstarre das ertragen, was uns bevorsteht.“

Ursächlich habe der sogenannte Coronacrash gar nicht viel mit den Auswirkungen des Lockdowns zu tun gehabt, sondern wäre, so Wolff, so oder so eingetreten. Hätte es allerdings keine öffentliche Rechtfertigung gegeben, ist es jedoch fraglich, ob sich die Bevölkerung ein zweites 2008 hätte gefallen lassen, jetzt wo weitgehend bekannt sein dürfte, dass die Einlagen der Bürger im Zweifelsfall eben doch nicht sicher sind.

Die Politik der Zentralbanken

Auch die nahezu verzweifelt scheinenden Versuche der Zentralbanken, das globale Finanzsystem noch irgendwie stabil und am Leben zu halten, indem sie Summen in Billionenhöhe hineinpumpen, sieht Ernst Wolff kritisch und keineswegs als Zeichen dafür, dass man aus dem Ganzen doch noch mit einem blauen Auge herauskommen könne. Im Gegenteil; Ein großer Teil des Geldes landet nicht in der Produktion, sondern in den Finanzmärkten und erhöht dort das Risiko eines Crashs. Viel eher sieht er eine riesige Umverteilungswelle von unten nach oben auf uns zukommen:

„Diese Krise trägt dazu bei, den Prozess der Wohlstandskonzentration in der Welt zu fördern und damit auch den Prozess der Machtkonzentration.“

Verlierer der Krise seien allen voran die mittelständischen Unternehmen, die sich auch aufgrund der massiven Digitalisierungswelle nicht mehr behaupten können. Aber auch der Steuerzahler werde einer der Hauptleidtragenden des weiteren Auseinanderklaffens der Schere zwischen Arm und Reich sein: Nicht nur sei eine massive Inflation durch das massenhaft von den Zentralbanken ins System gepumpte Geld zu erwarten, auch die Schulden, welche die Bundesregierung für die massiven Hilfspakete aufgenommen hat, müssen irgendwie beglichen werden.

Die Erfahrung der letzten Jahrzehnte lässt vermuten, dass hierfür eben nicht die Reichen und Vermögenden zur Kasse gebeten werden, sondern höchst wahrscheinlich einmal mehr die arbeitende Bevölkerung. Dazu kommt ein weiteres, eher düster klingendes Hyperinflationszenario. Wolff erwartet auch in Europa, das bereits in Hongkong und den USA getestete Helikoptergeld, das teils in großer Menge an die Bevölkerung verteilt wird, jedoch mit der Auflage, es sofort auszugeben und damit den Konsum anzukurbeln.

Zwar mag es besonders für einkommensschwächere Schichten verlockend klingen, plötzlich einen vierstelligen Betrag einfach so auf dem Konto zu haben. Doch diese Freude werde nicht lange dauern, denn es käme zu einer sofortigen massiven Preissteigerung durch die erhöhte Nachfrage und so gerate man Stück für Stück in eine Hyperinflationsspirale, aus der es schwer sein dürfte, wieder auszusteigen. Am Ende des Ganzen sieht er eine Währungsreform.

Auch wenn die von ihm beschriebenen Perspektiven wenig optimistisch klingen, liegt die Hoffnung von Ernst Wolff vor allem in der flächendeckenden Aufklärung der Bevölkerung, sodass möglichst schnell die überfällige Erkenntnis heranreift, dass es genau jetzt notwendig ist, dieses Finanzsystem zu verlassen.


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