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Das Dilemma der Revolutionäre

Das Dilemma der Revolutionäre

Mit Gewalt funktionieren Aufstände gegen das System nicht — ohne sie auch nicht.

There is no revolution, but evolution — so verspottete einst Frank Zappa bei seinen Liveauftritten jene Zwischenrufer, denen seine hochvirtuosen Grenzgänge zwischen allen nur erdenklichen Ästhetiken der Rockmusik und der klassischen Moderne nicht „revolutionär“ genug erschienen. Die Wagner-Paraphrase war ihm stets genauso wichtig wie das Reggae-Zitat. Zudem erklärte er mehrfach öffentlich, er habe es beispielsweise immer abgelehnt, auf Einladung von Kommunisten zu spielen, weil er ein Publikum wolle, dem vor allem die Musik wichtig sei. Zappa erkannte: Revolutionen sind kein geeigneter Weg, soziale und ökonomische Ungleichheit zu verringern oder gar zu beseitigen (1). Was also tun?

Es herrscht in jüngster Zeit wahrlich kein Mangel an semantischen Refreshings politischer Systemkategorien. Man nehme exemplarisch: Liberalismus, Sozialismus, Kommunismus, Konservatismus, Demokratie. Hierzu liegen aktuell ambitionierte Versuche vor, den heißen Kern des jeweiligen Konzepts freizulegen und darüber hinaus zu fragen, inwieweit sich solche historisch kontaminierten Begriffsmonster heute noch zur adäquaten Erfassung der Weltlage eignen (2).

Es wäre, nebenbei bemerkt, äußerst anregend, zu ergründen, inwieweit sich die genannten Begriffe letztlich sogar auf das singuläre Grundproblem der Moderne zurückführen lassen: Freiheit (3). Auch die vielerorts — übrigens links wie rechts! — deutlich vernehmbare, tiefe Sehnsucht nach dem postkapitalistischen Systemreset ist im Angesicht rasant-irreversibel fortschreitender Ungleichheit nur allzu verständlich.

Doch, so zeigt uns der Stanford-Historiker Walter Scheidel in seinem jüngsten Buch: Eine friedliche Senkung der ökonomischen Ungleichheit gab es in der Geschichte der letzten drei Jahrtausende noch nie! Nur die vier apokalyptischen Reiter Krieg, Revolution, Staatszerfall und Seuchen hätten geschichtlich — jedoch immer nur episodisch — materiellen Ausgleich möglich gemacht (4).

Und Scheidel bilanziert vor dem Hintergrund dieses düsteren Befunds: Die Geschichte lehre uns zwei Dinge über die Nivellierung ökonomischer Ungleichheit: Erstens würden radikale politische Maßnahmen nur in Krisenzeiten ergriffen (5). Und zweitens:

„Politische Eingriffe stoßen zwangsläufig an Grenzen. Die Nivellierung der materiellen Ungleichgewichte in Gesellschaften wurde ein ums andere Mal von gewaltsamen Kräften angetrieben, die sich entweder der Kontrolle des Menschen entzogen oder unter den gegenwärtigen Bedingungen politisch unmöglich durchzusetzen wären. In der heutigen Welt funktioniert keiner der wirksamsten Nivellierungsmechanismen: Die vier Reiter sind von ihren Rössern gestiegen. Und kein vernünftiger Mensch kann sich wünschen, dass sie wieder aufsitzen“ (6).

Und dann folgt der eindringliche Schlussakkord des brisanten Buchs:

„In der gesamten dokumentierten Menschheitsgeschichte stellten die periodischen Kompressionen der Ungleichheit infolge von Massenmobilisierungskriegen, transformativen Revolutionen, Staatsversagen und Pandemien alle mit friedlichen Mitteln erzielten Egalisierungserfolge in den Schatten (…) Wenn die historische Erfahrung ein geeigneter Gradmesser ist, müssen wir davon ausgehen, dass friedliche politische Reformen nicht genügen werden, um die wachsenden Herausforderungen zu bewältigen. Aber welches sind die Alternativen?

Wir alle, denen an einer größeren wirtschaftlichen Gleichheit gelegen ist, sind gut beraten, nicht zu vergessen, dass Fortschritte im Streben nach diesem Ideal, abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen, stets mit ungeheurem menschlichen Leid erkauft wurden. Wir sollten uns gut überlegen, was wir uns wünschen“ (7).

Revolution … und Gewalt?

Doch selbst mit Blick auf solche unmissverständlich formulierten — stets äußerst gewissenhaft belegten — Aussagen lassen sich Revolutions- und Umsturzphantasmen, ganz gleich, welcher politischen Couleur, nur schwer entkräften.

Wer einmal sein Weltdeutungsmuster gefunden hat, gibt es meist nicht wieder auf — seien die widersprechenden Befunde auch unzweifelhaft.

Revolutions-Eiferer und Systemreset-Romantiker sollten neben Scheidels historischen Entdeckungen zudem jedoch die drei wesentlichen Bestimmungsmomente der Revolution und die Wahrscheinlichkeit der Gewalt bedenken, wie sie Jürgen Osterhammel (8) in seinem jüngsten Buch resümiert:

Erstens: Revolutionen sind kollektive Bewegungen, „die den Sturz etablierter Eliten“ anstreben und sich dabei „regelbrechender Protestformen“ bedienen.

Zweitens: Revolutionen sind translokal, erstreben demnach „eine Wirkung im gesamtstaatlichen Rahmen“.

Drittens: Revolutionen beziehen sich auf eine „explizite Programmatik, die einer bestehenden Ordnung ihre Legitimität grundsätzlich bestreitet und sich nicht auf Kritik an einer spezifischen Herrschaftspraxis beschränkt“ (9).

Besonders brisant hierbei: Die Frage nach dem Zusammenhang von Revolution und Gewalt. Gehört Gewalt zum Wesenskern der Revolution? Oder sind gewaltfreie Revolutionen denkbar? Inwieweit lassen sich Radikalisierungsdynamiken und Gewaltspiralen einhegen mit Blick auf zu erwartende Reaktionen der herausgeforderten Eliten — oder auch im toxischen Zusammenwirken etwaiger Interventionen von außen — Stichwort: Regime Change? Jürgen Osterhammel resümiert:

„Auch ohne Rückgriff auf Massenpsychologie ergibt sich die Wahrscheinlichkeit von Gewalt aus der Logik nahezu jeder revolutionären Strategie: Revolutionäre kommen nicht umhin, die Kontrolle über die Gewaltapparate des bestehenden Systems, also Militär und Polizei, anzustreben, müssen diese Apparate also entwaffnen, neutralisieren oder zum Seitenwechsel veranlassen. Das geht selten ganz friedlich vonstatten und provoziert oft Gegenreaktionen. Der 4. Juni 1989 in Beijing, als Panzer den Protest buchstäblich niederwalzten, dürfte der historischen Normalität eher entsprechen als die sächsischen Montagsdemonstrationen vom Oktober desselben Jahres und die Zurückhaltung der DDR-Staatsmacht — eine Ausnahme, die auch im Rückblick noch erstaunt“ (10).

Bedenkt man zudem, dass im Völkerrecht Revolution als eine der möglichen Voraussetzungen des Bürgerkriegs gilt — Bürgerkrieg also folgerichtig als Eskalationsstufe der Revolution bedacht werden muss (11), sollte man Revolutions- oder Systemreset-Impulsen äußerst skeptisch begegnen. Wissen gegenwärtige Umsturzathleten wirklich, was sie sich da wünschen? Und vor allem: Wie weiter nach der Revolution? Nicht zuletzt verkennt jede radikale Umwälzungsphantasie die jeder gesellschaftlichen Evolution innewohnende oszillativ-instabile Dynamik zwischen Reproduktion und Transformation (12).

Handfester formuliert: An radikalen Systemwechseln mit sehr wahrscheinlich gewaltgeladenen Zwischenstadien ist die große Mehrheit der Menschen schlicht nicht interessiert; die meisten wissen auch instinktiv und ohne großes Vorwissen sehr genau, dass solche abrupten Einschnitte in den Lauf der Welt nur zu unnötig hohem Preis zu haben sind — hoher Blutverlust nicht ausgeschlossen.

Diskurspiraterie und Provokationsfolklore

In empirisch hochkomplexer Weltlage hilft als Gegengift also nur ein Denken in maximalen Geschmeidigkeitsgraden, um der Gefahr kognitiver und habitueller Verhärtungen zu entgehen. In diesem Licht lassen sich dann auch die neuerdings vieldiskutierten Forderungen nach einem Linkspopulismus postmarxistisch-dekonstruktiver Provenienz — Chantal Mouffe & Co. — leicht entzaubern, denn diese diskursiven Tastversuche machen sich nicht einmal die Mühe, ihre theoriegeschichtliche Verwandtschaft zu solch überzogen pessimistischen, politischen Weltentwürfen im Geist der beiden prominentesten deutschen „Kassandren vom Dienst“ in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Martin Heidegger und Carl Schmitt, zu verdecken (13).

Schon die schlichte Nachfrage, wozu man im Angesicht eines grassierenden Rechtspopulismus jetzt obendrein einen Linkspopulismus ins Leben rufen solle, hat bisher in diesem Diskursmilieu noch nie zu überzeugenden, öffentlich nachprüfbaren oder logisch nachvollziehbaren Positionierungen geführt: Man tritt von links an gegen rechts mit den rhetorisch-politischen Mitteln von rechts — soll das eine durchdachte diskursive Strategie sein? Wohlmeinend wird man hier allenfalls von Diskurspiraterie (14) sprechen können. Und fühlt sich im Angesicht solcher Einlassungen unweigerlich an Pierre Bourdieus Diktum erinnert: Wenn man sich politisch engagiert und dabei anfängt, Unsinn zu erzählen, ist man nicht länger ein Intellektueller.

Der scheinbar tiefe Bruch zwischen Links- und Rechtspopulismus wird hierbei zum prägenden Merkmal öffentlicher politischer Debatten stilisiert — doch in Wahrheit verdeckt dieser inszenierte Bruch die tieferliegende Chronologie, in der auf einen Primär-Populismus der bisherigen „Volks“-Parteien ein Sekundär-Populismus — exemplarisch: Trump, Macron, Le Pen, Seehofer, Gauland — folgt (15): Im Primär-Populismus verbreitet eine minderheitliche Machtinteressengruppe — die Eigentümer des Investitionsmonopols — massenmedial die Illusion, sich um die Interessen der Bevölkerungsmehrheit — Arbeitsplätze, bezahlbare Wohnungen et cetera — zu bemühen.

Hierbei ist die Simulation des Volks als Souverän von besonderer strategischer Bedeutung, denn hinter den parademokratischen Kulissen sind die harten Entscheidungen, beispielsweise über Kriegseinsätze oder fiskalische Investitionen, längst getroffen. Denn Souverän ist in Wahrheit, wer „eigene Risiken in Gefahren für andere zu verwandeln vermag und sich als Gläubiger letzter Instanz platziert“ (16).

Die im Sinne dieser Illusion stetig gebrochenen Wahlversprechen, die sich faktisch wohl nur noch als langfristig angelegtes Programm verdeckter Kriegführung amtierender Regierungen gegen die eigenen Bürger verstehen lassen (17), führen fast zwangsläufig zum Sekundär-Populismus, der sich dann perfide als wahrer Vertreter der Stimme des Volkes gegen die vermeintlich korrupten Eliten zu inszenieren vermag.

In den Wirkungskreis massenmedialer Empörungsamplituden tritt hierbei ein empirisch frappierend unterkomplexes, übertrieben antagonistisches Verständnis von Politik. Man vergleiche nur einmal pars pro toto die jüngeren politischen Äußerungen des derzeit weltweit sehr einflussreichen Philosophen Jacques Rancière und seiner diskursiv hoffnungslos undurchsichtigen Kategorie des Unvernehmens (18) mit der kristallklar formulierten politischen Soziologie aus dem Nachlass (!) von Niklas Luhmann (19) — und man sieht sofort den eklatanten Niveauverlust und die massive Schrumpfung des begrifflichen Deutungsrepertoires zeitgenössischer intellektueller Debatten des politischen Erfahrungsraums.

Die diskursiv leerlaufenden Revolutions-Impulse der Gegenwart sind also bestenfalls noch als rhetorischer Verschleierungsgestus der jeweils eigenen Ideen- und Konzeptlosigkeit zu verstehen, in der sich eine melancholische Müdigkeit im Angesicht eines überaus mächtigen Gegners ihrer medialen Provokationsfolklore zu vergewissern sucht.

Virale Aktionsallergien

Wenn also Revolutionen das denkbar schlechteste Mittel zur Reduzierung ökonomischer und sozialer Ungleichheit bedeuten, stellt sich unweigerlich die Frage nach anderen Auswegen. Dabei ist es unerheblich, ob der zeitgenössische Revolutions-Impuls nun demokratisch (Étienne Balibar), anarchistisch (David Graeber) oder kommunistisch (Slavoj Žižek) gedacht oder legitimiert ist (20).

Es drängt sich bei näherer Lektüre der exemplarisch genannten Autoren allerdings der Verdacht auf, dass von Revolution im oben beschriebenen, geschichtswissenschaftlich reflektierten Sinn gar nicht die Rede ist — wovon aber dann? Eine intellektuell anspruchsvolle Antwort auf diese einfache Nachfrage haben diese Autoren in ihren Texten und öffentlichen Äußerungen leider nie parat.

In jeder Hinsicht fahrlässig wäre es, wenn sich herausstellen sollte, dass der Revolutionsbegriff letztlich nur mit aufmerksamkeitsökonomischem Kalkül benutzt wird — vor allem wenn man bedenkt, dass gut durchdachte, intelligent formulierte Konzepte zur Neutralisierung der Macht des Kapitals inzwischen Bibliotheken füllen (21).

Man hat es also innerhalb der zeitgenössischen Revolutionsdiskurse mit einer doppelten Verlegenheit zu tun: Einerseits will man offenbar unter diesem Begriff potentielle Gegenkräfte bündeln — wohl wissend, wie unwahrscheinlich unter den faktischen Machtverhältnissen jede Revolution erscheinen muss. Doch übersieht andererseits jeder noch so energisch vorgetragene Revolutions-Eifer, dass er jederzeit in sein nichtintendiertes Gegenteil umschlagen kann — eine Revolution, die nicht stattfindet, kann auch zur Lähmung potentieller Gegenkräfte führen.

Der Verweis darauf, dass es erst einer „Veränderung jenes Ganzen“ (Adorno) bedürfe, fungiert dabei nicht selten als eine letzte Ausflucht in jenes fatalistische Besserwissen, das im Endstadium den Keim viraler Aktionsallergien in sich trägt — wer nichts (mehr) tut, macht keine Fehler.

An diesem Punkt lohnt sich der Blick auf die Idee, wonach ein reflektierter Revisionismus des homo democraticus der pragmatisch sinnvollere Weg sein kann, um intelligente Antworten auf die Frage zu finden, was innerhalb der gegebenen Verhältnisse (noch) möglich ist (22). Ein Weg, der bewusst die Holzwege der Revolution verlässt, denn: Wer Revolution sagt, tötet Streitlust, die Kraftquelle jedes Fortschritts (23). Das indes ist in der Politik nicht anders als in der Liebe.


Quellen und Anmerkungen:

(1) Sehenswert hierzu der international vielbeachtete Dokumentarfilm Frank Zappa – Eat That Question (2015) des Regisseurs und Produzenten Thorsten Schütte.
(2) Siehe jeweils exemplarisch: Biebricher, Thomas: Geistig-moralische Wende. Die Erschöpfung des deutschen Konservatismus. Berlin: Matthes & Seitz 2018; Dierksmeier, Claus: Qualitative Freiheit. Selbstbestimmung in weltbürgerlicher Verantwortung. Bielefeld: transcript 2016; Herzog, Lisa: Freiheit gehört nicht nur den Reichen. Plädoyer für einen zeitgemäßen Liberalismus. München: C.H.Beck 2013; Honneth, Axel: Die Idee des Sozialismus. Versuch einer Aktualisierung. Berlin: Suhrkamp 2015; Koenen, Gerd: Die Farbe Rot. Ursprünge und Geschichte des Kommunismus. München: C.H.Beck 2017; Marchart, Oliver: Der demokratische Horizont. Politik und Ethik radikaler Demokratie. Berlin: Suhrkamp 2019.
(3) Vgl. Höffe, Otfried: Kritik der Freiheit. Das Grundproblem der Moderne. München: C.H.Beck 2015; Honneth, Axel: Das Recht der Freiheit. Grundriß einer demokratischen Sittlichkeit. Berlin: Suhrkamp 2011; Pettit, Philip: Gerechte Freiheit. Ein moralischer Kompass für eine komplexe Welt. Berlin: Suhrkamp 2015; Schubert, Karsten: Freiheit als Kritik. Sozialphilosophie nach Foucault. Bielefeld: transcript 2018.
(4) Scheidel, Walter: Nach dem Krieg sind alle gleich. Eine Geschichte der Ungleichheit. Darmstadt: wbg Theiss 2018. Es wäre faszinierend, den Befund Scheidels anhand aktueller wissenschaftlicher Literatur zum Revolutionsbegriff (und zu einzelnen Revolutionen) zu prüfen: Deppe, Frank: 1917 | 2017. Revolution und Gegenrevolution. Hamburg: VSA 2017; Hindrichs, Gunnar: Philosophie der Revolution. Berlin: Suhrkamp 2017; Hochgeschwender, Michael: Die Amerikanische Revolution. Geburt einer Nation 1763-1815. München: C.H.Beck 2016; Willms, Johannes: Tugend und Terror. Geschichte der Französischen Revolution. München: C.H.Beck 2014; Zamoyski, Adam: Phantome des Terrors. Die Angst vor der Revolution und die Unterdrückung der Freiheit 1789-1848. München: C.H.Beck 2016.
(5) Scheidel (2018: 545).
(6) Scheidel (2018: 545-546).
(7) Scheidel (2018: 556).
(8) Osterhammel, Jürgen: Die Flughöhe der Adler. Historische Essays zur globalen Gegenwart. München: C.H.Beck 2017.
(9) Siehe für die Zitate der drei Bestimmungsmomente jeweils: Osterhammel (2017: 149).
(10) Osterhammel (2017: 150).
(11) Osterhammel (2017: 150).
(12) Vgl. Schäfer, Hilmar: Die Instabilität der Praxis. Reproduktion und Transformation des Sozialen in der Praxistheorie. Weilerswist: Velbrück Wissenschaft 2013.
(13) Siehe hierzu grundlegend: Denker, Alfred: Unterwegs in Sein und Zeit. Einführung in Leben und Denken von Martin Heidegger. Stuttgart: Klett-Cotta 2012; Grosser, Florian: Revolution denken. Heidegger und das Politische 1919 bis 1969. München: C.H.Beck 2011; Klünder, Jan-Paul: Politischer Pessimismus. Negative Weltkonstruktion und politische Handlungs(un)möglichkeit bei Carl Schmitt, Michel Foucault und Giorgio Agamben. Bielefeld: transcript 2017; Marchart, Oliver: Die politische Differenz. Zum Denken des Politischen bei Nancy, Lefort, Badiou, Laclau und Agamben. Berlin: Suhrkamp 2010; Marchart, Oliver: Das unmögliche Objekt. Eine postfundamentalistische Theorie der Gesellschaft. Berlin: Suhrkamp 2013; Marchart, Oliver: Die Prekarisierungsgesellschaft. Prekäre Proteste. Politik und Ökonomie im Zeichen der Prekarisierung. Bielefeld: transcript 2013; Sievi, Luzia: Demokratie ohne Grund — kein Grund für Demokratie? Zum Verhältnis von Demokratie und Poststrukturalismus. Bielefeld: transcript 2017. Der polemisch-ironische Ausdruck „Kassandren vom Dienst“ geht zurück auf: Marquard, Odo: Zukunft braucht Herkunft. Philosophische Essays. Stuttgart: Reclam 2015, S. 242. Marquard spricht dort süffisant auch von „Jammerathleten“ und „Klagegenies“.
(14) Metz, Markus/Seeßlen, Georg: Der Rechtsruck. Skizzen zu einer Theorie des politischen Kulturwandels. Berlin: Bertz + Fischer 2018, S. 202ff.
(15) Siehe zu dieser plausiblen Unterscheidung: Rügemer, Werner: Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts. Gemeinverständlicher Abriss zum Aufstieg der neuen Finanzakteure. Köln: PapyRossa 2018, S. 9.
(16) Vogl, Joseph: Der Souveränitätseffekt. Zürich: diaphanes 2015, S. 251.
(17) Metz, Markus/Seeßlen, Georg: Kapitalistischer (Sur)realismus. Neoliberalismus als Ästhetik. Berlin: Bertz + Fischer 2018, S. 27; siehe ferner für erschütternde Befunde zu dieser These: Fassin, Didier: Der Wille zum Strafen. Berlin: Suhrkamp 2018; Harcourt, Bernard E.: Gegenrevolution. Der Kampf der Regierungen gegen die eigenen Bürger. Frankfurt am Main: S. Fischer 2019; eine beklemmende Lektüre zur Frage, wie weit dieser verdeckte Krieg inzwischen auch in der digitalen Sphäre bereits fortgeschritten ist, bietet: Zuboff, Shoshana: Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus. Frankfurt am Main: Campus 2018; siehe ferner zu diesem brisanten Themen-Komplex langfristig angelegter Programme verdeckter Kriegführung jeweils amtierender Regierungen gegen die eigenen Bürger auch: Görling, Reinhold: Szenen der Gewalt. Folter und Film von Rossellini bis Bigelow. Bielefeld: transcript 2014, S. 145-200; Lagasnerie, Geoffroy de: Die Kunst der Revolte. Snowden, Assange, Manning. Berlin: Suhrkamp 2016; Metz, Markus/Seeßlen, Georg: Schnittstelle Körper. Berlin: Matthes & Seitz 2018; Metz, Markus/Seeßlen, Georg: Freiheitstraum und Kontrollmaschine. Der (vielleicht) kommende Aufstand des nicht zu Ende befreiten Sklaven. Wien: bahoe books 2018; Mitchell, W.J.T.: Das Klonen und der Terror. Der Krieg der Bilder seit 9/11. Berlin: Suhrkamp 2011; Rügemer, Werner: Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts. Gemeinverständlicher Abriss zum Aufstieg der neuen Finanzakteure. Köln: PapyRossa 2018; Schui, Herbert: Politische Mythen und elitäre Menschenfeindlichkeit. Halten Ruhe und Ordnung die Gesellschaft zusammen? Hamburg: VSA 2018; Siewert, Stephanie: Der Gefangene als Phantom. Anordnungen des Verschwindenmachens in Literatur und Medien. Bielefeld: transcript 2017, S. 203-249. Als langfristig angelegt zu bezeichnen sind diese Programme deshalb, weil in der ersten Konstitutionsphase zunächst ein biopolitisch konstruierter, medial lancierter „äußerer Feind“ bekämpft wird, um hieraus unter dem propagandistischen Deckmantel der „inneren Sicherheit“ schließlich in der zweiten Finalisierungsphase entschieden gegen imaginierte „Gefährder“ aus den eigenen Reihen vorgehen zu können — siehe hierzu auch: Opitz, Sven: An der Grenze des Rechts. Inklusion/Exklusion im Zeichen der Sicherheit. Weilerswist: Velbrück Wissenschaft 2012; Rampp, Benjamin: Die Sicherheit der Gesellschaft. Gouvernementalität — Vertrauen — Terrorismus. Bielefeld: transcript 2019.
(18) Siehe hierzu Honneth, Axel/Rancière, Jacques: Anerkennung oder Unvernehmen? Eine Debatte. Berlin: Suhrkamp 2019.
(19) Luhmann, Niklas: Politische Soziologie. Berlin: Suhrkamp 2010.
(20) Vgl. zu dieser Differenzierung: Grosser, Florian: Theorien der Revolution zur Einführung. Hamburg: Junius 2013, S. 148-164.
(21) Aus der Überfülle denkbarer Alternativen seien exemplarisch nur die folgenden instruktiven Analysen und Entwürfe genannt: Atkinson, Anthony B.: Ungleichheit. Was wir dagegen tun können. Stuttgart: Klett-Cotta 2016; Bontrup, Heinz-J.: Zur größten Finanz- und Wirtschaftskrise seit achtzig Jahren. Ein kritischer Rück- und Ausblick mit Alternativen. Hannover: DGB-Bezirk Niedersachsen – Bremen – Sachsen-Anhalt 2011; Bontrup, Heinz-J.: Arbeit, Kapital und Staat. Plädoyer für eine demokratische Wirtschaft. Köln: PapyRossa 2013; Bontrup, Heinz-J.: Krisenkapitalismus und EU-Verfall. Köln: PapyRossa 2016; Bontrup, Heinz-J.: Wirtschaftsdemokratie – endlich umsetzen, in: Zeitschrift für sozialistische Politik und Wirtschaft, 5/2018, S. 52-64; Hochmann, Lars: Vom Nutzen und Nachteil der Ökonomik für das Leben. Reflexionen aus einer schwierigen Wissenschaft. Bielefeld: transcript 2018; Honneth, Axel: Das Recht der Freiheit. Grundriß einer demokratischen Sittlichkeit. Berlin: Suhrkamp 2011; Hudson, Michael: Der Sektor. Warum die globale Finanzwirtschaft uns zerstört. Stuttgart: Klett-Cotta 2016; Innerarity, Daniel: Demokratie des Wissens. Plädoyer für eine lernfähige Gesellschaft. Bielefeld: transcript 2013; Massarrat, Mohssen: Braucht die Welt den Finanzsektor? Postkapitalistische Perspektiven. Hamburg: VSA 2017; Mazzucato, Mariana: Wie kommt der Wert in die Welt? Von Schöpfern und Abschöpfern. Frankfurt am Main: Campus 2019; Pettit, Philip: Gerechte Freiheit. Ein moralischer Kompass für eine komplexe Welt. Berlin: Suhrkamp 2015; Piketty, Thomas: Das Kapital im 21. Jahrhundert. München: C.H.Beck 2014; Sayer, Andrew: Warum wir uns die Reichen nicht leisten können. München: C.H.Beck 2017; Schulmeister, Stephan: Der Weg zur Prosperität. Salzburg: Ecowin 2018; Wagenknecht, Sahra: Reichtum ohne Gier. Wie wir uns vor dem Kapitalismus retten. Frankfurt am Main: Campus 2016; Zinn, Karl Georg: Vom Kapitalismus ohne Wachstum zur Marktwirtschaft ohne Kapitalismus. Hamburg: VSA 2015.
(22) Vgl. zu dieser Idee des reflektierten Revisionismus: Heim, Tino: Metamorphosen des Kapitals. Kapitalistische Vergesellschaftung und Perspektiven einer kritischen Sozialwissenschaft nach Marx, Foucault und Bourdieu. Bielefeld: transcript 2013, S. 256. Zu den bedrohlich reduzierten Handlungsspielräumen des heutigen homo democraticus bietet zudem die dänische Ausnahmeserie Borgen (2010-2013) reichlich Anschauungsunterricht auf cineastisch höchstem Niveau – siehe hierzu prägnant: Switek, Niko (Hg.): Politik in Fernsehserien. Analysen und Fallstudien zu House Of Cards, Borgen & Co. Bielefeld: transcript 2018, S. 177-200.
(23) Siehe zur Formulierung eines zeitgenössischen Fortschrittsbegriffs: Jaeggi, Rahel: Fortschritt und Regression. Berlin: Suhrkamp 2019.

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