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Das Ausländerhausverbot

Das Ausländerhausverbot

Der FC St. Pauli will bei der Fußball-Europameisterschaft 2024 nicht alle Nationen in sein Stadion lassen.

Bei der Bundeszentrale für Politische Bildung kann man unter dem Begriff „Fremdenfeindlichkeit“ Folgendes nachlesen:

„Ablehnende und feindselige Haltung gegenüber allem, was gegenüber den vertrauten Lebensumständen als fremd und deshalb bedrohlich empfunden wird. Fremdenfeindlichkeit richtet sich gegen Menschen, die sich durch Herkunft, Nationalität (Ausländerfeindlichkeit), Religion (Antisemitismus) oder Hautfarbe (Rassismus) von der eigenen Umwelt unterscheiden. Sie äußert sich in Ausgrenzung, tätlichen Angriffen, systematischer Vertreibung bis hin zur Ausrottung“ (1).

Das Sportmagazin Kicker berichtete am 21. Juni 2022 in dem Artikel „Zweitligist will nicht jede Nationalmannschaft ins Millerntorstadion lassen — St. Pauli und die EM: Einspruchsrecht gegen bestimmte Nationalteams“ über den Umgang des FC St. Pauli mit Fremden, die als Gäste zur Europameisterschaft nach Deutschland kommen:

„Der FC St. Pauli will bei der EM 2024 von seinem Hausrecht im Millerntorstadion Gebrauch machen und Nationen, die ‚nicht zu den Werten und Zielen‘ des Zweitligisten passen, kein Trainingsrecht einräumen“ (2).

Ob sich die Spieler der ausländischen Gastmannschaften, denen der Zugang verweigert wird, wohl aufgrund ihrer Nationalität ausgegrenzt fühlen?

Müssen alle Nationen weltweit „zu den Werten und Zielen des FC St. Pauli“ passen und haben sie eine Bestrafung verdient, wenn sie dies nicht tun?

Den FC St. Pauli, der hier sein „lokales Potenzrecht“ — also Hausrecht — reklamiert, scheinen solche Fragestellungen nicht zu tangieren. Man ist „Herr im Haus“ und der Ausländer hat, wenn er der „falschen“ Nation angehört, sowieso nichts zu melden.

Der FC St. Pauli hält die Namen der betroffenen Nationen bisher geheim. Es kann und muss also spekuliert werden. Heiße Kandidaten für ein „Ausländerhausverbot“ bei der nächsten EM, deren Teilnehmer noch nicht feststehen, sind wohl die Türkei, Ungarn, Serbien und vielleicht auch Polen. Wobei Letztere ja in den vergangenen Monaten beim „Kampf gegen den Russen“ aus Sicht des Wertewestens bedeutende Fortschritte gemacht haben und 2024 auch für den FC St. Pauli akzeptabel sein könnten.


Redaktionelle Anmerkung: Dieser Beitrag erschien zuerst unter dem Titel „FC St. Pauli und Fremdenfeindlichkeit“ im Blauer Bote Magazin.


Quellen und Anmerkungen:

(1) https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/pocket-politik/16418/fremdenfeindlichkeit/
(2) https://www.kicker.de/st-pauli-und-die-em-einspruchsrecht-gegen-bestimmte-nationalteams-906433/artikel

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