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Britische Erpressung

Britische Erpressung

Yulia Skripal handelt offenkundig unter Zwang.

Britische Schutzhaft
von Craig Murray

Bis jetzt haben uns nur die Russen Yulias Stimme hören lassen - in einem aufgezeichneten Gespräch mit ihrer Cousine. Was wir also mit Sicherheit wissen ist, dass sie bei der ersten sich bietenden Gelegenheit ihre Cousine in Russland anrief, um sie wissen zu lassen, was gerade vor sich ging. Erinnern wir uns - bis die Russen das Telefongespräch veröffentlichten, hatte uns die britische Obrigkeit weiter die Lüge aufgetischt, dass Sergej im Koma läge und Yulia selbst sich in einem kritischen Zustand befinde.

Abgeschnitten von der Außenwelt

Wir wissen nicht, wie Yulia der Anruf gelang. Ich selbst bin schon öfter bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert worden und fand dann jedes Mal, wenn ich aufwachte, mein Mobiltelefon in meinem Nachttisch vor. Yulias Handy wurde ihr offensichtlich weggenommen und nicht wiedergegeben. Auch hat sie kein offizielles Telefon bekommen - sie hat ihrer Cousine deutlich mitgeteilt, dass sie sie auf diesem Telefon nicht würde zurückrufen können, da es ihr nur vorübergehend zur Verfügung stehe. Die britische Regierung hätte ihr eines geben können, auf dem sie zurückgerufen hätte werden können - hätte man ihr denn helfen wollen.

Die wahrscheinlichste Erklärung ist, dass Yulia jemanden im Krankenhaus überzeugen konnte, ihr ein Telefon zu leihen, ohne dass britische Beamte dies mitbekamen. Dies würde auch erklären, warum die erste Reaktion Großbritanniens und seiner Lakaien in den Medien war, die Echtheit des Telefonats anzuzweifeln. Es würde auch erklären, warum sie dem offiziellen Narrativ über ihrer beider Gesundheitszustand widersprechen konnte, und warum sie nicht zurückgerufen wurde. Und, noch wichtiger: Es würde erklären, warum ihre Familie seitdem nichts mehr von ihr gehört hat – ja, warum niemand mehr ihre Stimme gehört hat.

Unwahrscheinliches Statement

Es erscheint mir grundsätzlich unwahrscheinlich, dass Yulia nun über Scotland Yard eine offizielle Erklärung abgegeben hat, in der sie ihrer Cousine verbat, Kontakt mit ihr aufzunehmen oder sie zu besuchen - nachdem es doch gerade ihre Cousine war, die sie als allererstes angerufen hatte, sobald es ihr möglich war. Ich schenke diesem Polizei-Statement schlicht keinen Glauben:

„Am 9. April 2018 wurde ich aus dem Salisbury District Krankenhaus entlassen. Ich wurde dort mit offenkundiger klinischer Expertise und einer solchen Freundlichkeit behandelt, dass ich das Personal sofort vermisste. Ich habe meinen Vater in ihrer Pflege zurückgelassen, und er ist noch immer schwer krank. Auch ich leide noch an den Nachwirkungen des gegen uns eingesetzten Nervengases.
Ich finde mich in einem völlig anderen Leben wieder als dem, das ich vor über einem Monat zurückgelassen habe und versuche, mit meiner Situation zurechtzukommen, während ich mich gleichzeitig noch immer von dem Angriff auf mich erhole.
Mir steht speziell ausgebildetes Personal zur Verfügung, das sich um mich kümmert und das mir den Gang der Ermittlungen erklärt. Ich kann Freunde und Familie erreichen und wurde über meine Kontaktpersonen an der russischen Botschaft unterrichtet, die mir freundlicherweise ihre größtmögliche Unterstützung zugesagt haben. Derzeit wünsche ich jedoch nicht, von ihrem Angebot Gebrauch zu machen - sollte sich das jedoch ändern, weiß ich, wie ich sie erreichen kann.

Am Wichtigsten ist jedoch, dass ich hier sicher bin und es mir immer besser geht - ich fühle mich aber noch nicht stark genug, den Medien ein vollständiges Interview zu geben. Ich hoffe jedoch, dies eines Tages tun zu können. Bis dahin möchte ich betonen, dass niemand für mich oder meinen Vater spricht außer uns selbst. Ich danke meiner Cousine Viktoria für ihre Sorge um uns, bitte aber darum, dass sie mich bis auf weiteres weder besucht, noch versucht, Kontakt zu mir aufzunehmen. Ihre Meinungen und Schlussfolgerungen entsprechen weder den meinen noch denen meines Vaters.
Im Moment möchte ich nicht mit der Presse oder den Medien sprechen und bitte um deren Verständnis und Geduld, während ich mit meiner aktuellen Situation zurechtzukommen versuche.“

Behördensprache macht stutzig

Auch die Sprache, in der diese Erklärung verfasst wurde, wirft ernsthafte Fragen auf. Yulia Skripal verbrachte zwar einen Teil ihrer Kindheit in Großbritannien und spricht gutes Englisch, die Erklärung wurde jedoch in einem formellen, offiziellen Englisch auf sehr hohem Niveau abgefasst, das eigentlich nur Muttersprachlern zueigen ist.

Nie, wirklich noch nie hat bisher ein russischer Muttersprachler folgendes geschrieben: „Derzeit wünsche ich jedoch nicht, von ihrem Angebot Gebrauch zu machen“ („At the moment I do not wish to avail myself of their services”)

Auch der Sprachrhythmus und die Redewendungen entsprechen in keinster Weise einer Übersetzung aus dem Russischen. Nehmen wir den Satz „Ich danke meiner Cousine Viktoria für ihre Sorge um uns, bitte aber darum, dass sie mich bis auf weiteres weder besucht, noch versucht, Kontakt zu mir aufzunehmen. Ihre Meinungen und Schlussfolgerungen entsprechen weder den meinen noch denen meines Vaters.“ (“I thank my cousin Viktoria for her concern for us, but ask that she does not visit me or try to contact me for the time being. Her opinions and assertions are not mine and they are not my father’s.“)

Nicht nur ist dieser Satz unglaublich unterkühlt, wenn man bedenkt, dass es ihr erster Impuls war, ihre Cousine anzurufen - die Sprache ist einfach falsch. Es ist nicht das Englisch, in dem Yulia schreiben würde, und es ist schwierig ins Russische zu übersetzen, weshalb es keine natürliche Übersetzung aus dem Russischen sein kann.

Um es ganz deutlich zu sagen, als jemand, der damit viel Erfahrung hat: Das Englisch der Erklärung ist genau das Englisch, das ein Beamter der britischen Geheimdienste verwenden würde, und eben nicht das Englisch von jemandem wie Yulia Skripal oder einer Übersetzung aus dem Russischen.

Yulia befindet sich natürlich „zu ihrer eigenen Sicherheit“ in Schutzhaft. Im besten Fall wird sie mit der Story über die üble russische Regierung, die sie mit der Türklinke vergiften wollte, zwangsgefüttert und vollkommen isoliert gehalten von jedem Einfluss, der Zweifel an dieser Story nähren könnte. Es gibt jedoch viel schlimmere Alternativen - Drohungen oder die Sicherheit ihres Vaters. Aber selbst wenn man das Handeln der britischen Behörden mit dem größten Wohlwollen betrachtet, kommt man nicht umhin festzustellen, dass sich Yulia Skripal in Einzelhaft und unter Zwang befindet.


Craig Murray ist Autor und Menschenrechtsaktivist. Er war von 2002 bis 2004 britischer Botschafter in Usbekistan und von 2007 bis 2010 Rektor der Universität Dundee.


Redaktionelle Anmerkung: Dieser Text erschien zuerst unter dem Titel „Yulia Skripal is Plainly under Duress". Er wurde vom ehrenamtlichen Rubikon-Übersetzungsteam übersetzt und vom ehrenamtlichen Rubikon-Korrektoratsteam lektoriert.

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