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Begegnung statt Spaltung

Begegnung statt Spaltung

Gewaltfreie Kommunikation könnte helfen, dass die Konfliktparteien in der Corona-Frage aufeinander zugehen.

Was mich derzeit viel mehr als irgendwelche Viren oder Maßnahmen beunruhigt, ist der tiefe Graben, der sich gerade durch unsere Bevölkerung zieht — der Graben zwischen jenen Menschen, die die Corona-Maßnahmen befürworten und befolgen, und jenen, die diese Maßnahmen ablehnen beziehungsweise infrage stellen. In dieser Spaltung zwischen Maßnahmenbefürwortern und -gegnern sehe ich eine große Gefahr für unsere Gesellschaft. Spaltung führt zu Schwächung und Machtlosigkeit — genau das, was wir in einer Zeit zunehmender Existenzvernichtungen, Arbeitslosigkeit und Armut ganz und gar nicht brauchen.

Genauso wenig brauchen wir gegenseitige Beschimpfungen — weder sind Maßnahmenbefürworter Schlafschafe oder dergleichen, noch sollten Maßnahmenskeptiker als Verschwörungsmystiker, Antisemiten oder Rassisten bezeichnet werden.

Was wir als Gesellschaft brauchen, ist Verbindung statt Trennung, Miteinander statt Gegeneinander, Gemeinschaft statt Kampf.

Wie kommen wir zu Verbindung, zu Miteinander und Gemeinschaft? Welche Voraussetzungen sind dafür notwendig? Wie können wir den tiefen Graben zwischen Maßnahmen-Befürwortern und -Gegnern überwinden? Hier hilft uns vielleicht die Gewaltfreie Kommunikation nach Marschall B. Rosenberg weiter.

In meiner Ausbildung in Gewaltfreier Kommunikation habe ich gelernt, dass es in Konflikten stets um Bedürfnisse geht — nicht erfüllte Bedürfnisse, denn sonst gäbe es ja keinen Konflikt.

Ziel der Gewaltfreien Kommunikation ist es nun, die Bedürfnisse beider Konfliktparteien zu eruieren, um schließlich zu einem für beide Seiten akzeptablen … nein, ein Kompromiss ist es eigentlich nicht: es soll im Idealfall zu einer Lösung kommen, bei der die Bedürfnisse aller „Streitenden“ respektiert und erfüllt werden.

Dabei ist es wichtig, dass es keine Hierarchie gibt — kein „ich weiß das besser als du“, kein „meine Bedürfnisse sind wichtiger als deine“ und schon gar kein „ich sitze am längeren Hebel, also wird letztendlich doch gemacht, was ich will“.

Ich würde die Voraussetzungen für eine gesunde, gelungene Kommunikation noch um einen Punkt ergänzen: Beide Konfliktparteien müssen über dasselbe Wissen zum strittigen Thema verfügen. Das ist bei der Frage, ob die Zahnpastatube offen herumliegen darf oder nicht, eher irrelevant — bei politischen oder gesellschaftlichen Fragen und Konflikten jedoch wesentlich und unverzichtbar. Geht es zum Beispiel um ein Tempolimit auf der Autobahn, sind neben den Bedürfnissen der Konfliktparteien — Freiheit und Selbstbestimmung auf der einen, Rücksichtnahme gegenüber dem Mitmenschen und der Umwelt auf der anderen Seite — auch Fakten wie Unfallstatistiken, CO2-Ausstoß und so weiter wichtig.

Wir sollten also unsere eigenen Bedürfnisse, aber auch die unseres Gegenübers kennen. Wir sollten uns auf Augenhöhe befinden, unserem Konfliktpartner also mit Respekt begegnen, und wir sollten über ein ähnliches Wissen zum Thema verfügen.

Gelingt uns dies, machen wir bei einer gelungenen gewaltfreien Kommunikation die beglückende Erfahrung, nicht in Spaltung und Trennung zu verfallen, sondern eine echte Begegnung mit dem Gegenüber zu erleben — vielleicht ist man sich dann trotz oder gerade wegen des Konfliktes sogar näher gekommen, bringt mehr Verständnis für den anderen auf und erfährt selbiges auch. Das bringt uns sowohl als Menschen als auch als Menschheit weiter. Begegnung statt Spaltung.

Wenden wir uns nun der Corona-Problematik zu. Als Aktive in Kundgebungen für die Wiederherstellung unserer Grundrechte und für die Untersuchung der Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit der ergriffenen Maßnahmen treffe ich oft auf Menschen, die so gar nicht meiner Meinung sind. Das sind Menschen, die Angst haben — Angst vor Ansteckung, Angst vor Krankheit und Tod, auch die Angst davor, vielleicht für andere eine Gefahr darzustellen. Ich habe ganz andere Ängste — Angst davor, dauerhaft meiner Rechte beraubt zu werden, Angst vor eine Zwangsimpfung durch die Hintertür, Angst vor dem Verlust meiner Selbstbestimmung. Ich respektiere jedoch die Angst der anderen.

Ängste weisen stets auf Bedürfnisse hin. Hat man Angst vor einer Ansteckung, ist das Bedürfnis nach körperlicher Unversehrtheit gefährdet, das Bedürfnis nach Sicherheit, vielleicht auch nach Berechenbarkeit des Risikos, dem man sich aussetzt. Mit Sicherheit verbunden ist auch ein Gefühl der Geborgenheit — man möchte davon ausgehen können, dass einem keiner etwas Böses will. Ist man für eine Maskenpflicht und einen Lockdown, sind einem vielleicht Mitgefühl und Verantwortung dem Mitmenschen gegenüber wichtig.

Meine Ängste stehen hierzu nur scheinbar im Gegensatz: Auch ich habe das Bedürfnis nach körperlicher Unversehrtheit — nur geht es mir darum, dass ich das Risiko einer Ansteckung sowie einer schweren Erkrankung für mich als wesentlich geringer einschätze als das Risiko, durch eine nicht erprobte Impfung dauerhafte Schäden davon zu tragen. Zudem geht es mir auch um Selbstbestimmung — ich möchte selbst entscheiden, ob ich mich impfen lasse oder nicht. Auch mein Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit ist gefährdet — mir geht es jedoch darum, dass ich die Bedrohung eher durch einen übergriffigen Staat und manipulierte Medien erlebe als durch ein Virus. Mitgefühl empfinde ich eher für die Menschen, die ihrer Existenz beraubt wurden und werden, für Kinder, die monatelang nicht auf den Spielplatz durften und alte Menschen, die unvorstellbar großes Leid durchmachten, als sie plötzlich und teilweise unverständlicherweise keinen Besuch mehr von ihren Angehörigen erhalten durften.

Wir haben hier also ähnliche Bedürfnisse, die nur verschieden ausgerichtet sind. Ich kann Verständnis für die Bedürfnisse der „anderen“ aufbringen. Eigentlich könnten wir uns also durchaus verständigen, annähern, verstehen. Es bräuchte keine Spaltung zwischen „Schlafschafen“ einerseits und „Verschwörungstheoretikern und Aluhüten“ andererseits geben.

Die fundamentale Schwierigkeit — und das, was gerade Kommunikation so schwierig gestaltet und damit eine Spaltung in der Gesellschaft verursacht — liegt für mich jedoch darin, dass wir nicht über dasselbe Wissen zum Thema Corona verfügen. Wir — die Maßnahmengegner und die Maßnahmenbefürworter — reden aneinander vorbei. Dadurch, dass keine wahrhaftige, bunte, offene und transparente Diskussion zum Thema „Corona allgemein“ und „Corona-Maßnahmen im Besonderen“ zugelassen wird, haben wir nicht denselben Kenntnisstand, auf dem unsere Überzeugungen, Meinungen und auch Prioritäten beruhen.

Wir finden keinen gemeinsamen Nenner, weil wir von grundsätzlich anderen Voraussetzungen ausgehen: dem Grad der Gefährlichkeit des Virus beziehungsweise der Sinnhaftigkeit der Lockdown-Maßnahmen.

Würde jeder Bürger transparent und vielfältig über die Gefährlichkeit des Virus und die Sinnhaftigkeit der Maßnahmen informiert — ließe man also auch jene Stimmen der Epidemiologen, Virologen, Psychologen, Soziologen und anderer Fachleute zu, deren Meinungen und Aussagen denen des Mainstream widersprechen, hätten wir Bürger eine gemeinsame Wissensgrundlage, auf der wir diskutieren könnten.

Damit wäre eine Gesprächsbasis geschaffen, in der die eigenen Bedürfnisse in ein Verhältnis zu den bekannten Fakten sowie zu den Bedürfnissen des Gegenübers gesetzt werden könnten. Dies würde eine fruchtbare Diskussion ermöglichen. Es würde uns als Bürger in unserer Gesamtheit stärken und nicht spalten und schwächen.

Derzeit gestaltet sich die Situation jedoch folgendermaßen: Auf der einen Seite finden wir die Regierung und die Mainstream-Medien, die weiter am Narrativ der „Alternativlosigkeit“ der Maßnahmen festhalten — und auf der anderen Seite die alternativen Medien, die jene Informationen zu verbreiten versuchen, die sonst unterdrückt, verschwiegen und verdreht werden. Dazwischen befindet sich ein tiefer Graben, der die Bevölkerung spaltet. Der uns schwächt. Der uns nicht zueinander finden lässt.

Ein Mitmensch, der durch die Panikmache der Mainstream-Medien und die Corona-App Angst vor Ansteckung hat, wird die Beweggründe desjenigen, der sich um Selbstbestimmung und die Grundrechte sorgt, nicht verstehen können und umgekehrt. Wir brauchen also Informationen — umfassend, offen und unzensiert; vielfältig, transparent und nicht interessengeleitet. Wir brauchen eine Medienlandschaft, die Informationen — auch widersprüchliche — zur Verfügung stellt, statt sie zu unterdrücken, zu verdrehen und zu verschweigen. Wir brauchen eine offene Debatte, in der auch namhafte, verdiente Wissenschaftler eine Stimme erhalten, die dem herrschenden Narrativ widersprechen.

Nur dann haben wir eine Chance, uns nicht mehr in Maßnahmen-Befürworter und -Gegner spalten zu lassen; nur dann haben wir eine Chance, unsere gegenseitigen Bedürfnisse und Ängste wahrzunehmen und auf dieser Basis ins Gespräch zu kommen; nur dann haben wir eine Chance, gemeinsam gegen das Unrecht zu kämpfen, das uns gerade widerfährt — die Zerstörung von Existenzen, der Verlust von Arbeitsplätzen, die drohende Armut sind ein Unrecht, egal wie wir über Corona und die Maßnahmen denken.

Wir dürfen nicht zulassen, Opfer des altbewährten Prinzips „Teile und herrsche“ zu werden. Wir als Bevölkerung dürfen uns nicht weiter streiten, damit sich der Dritte — eine Regierung, die unsere Rechte beschneidet, und eine Pharmaindustrie, die die komplette Weltbevölkerung durchimpfen möchte — freuen kann. Wir dürfen nicht zulassen, dass wir uns gegenseitig als Schlafschafe und Covidioten beschimpfen.

Wir müssen einen Weg finden, uns auf der Basis gemeinsamen Wissens zu begegnen, zu verstehen und zu verständigen, um dann gemeinsam zu kämpfen für unsere Rechte, für unsere Demokratie, für ein menschenwürdiges Leben, für Freiheit im Geistesleben, Geschwisterlichkeit im Wirtschaftsleben und Gleichheit im Rechtsleben! Gespräch statt Verleumdung. Begegnung statt Spaltung!

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