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Alle Wege führen nach Washington

Alle Wege führen nach Washington

Hinter der Sprengung der Nord-Stream-Pipelines stecken offenkundig angloamerikanische Täter — effektive Ermittlungsbemühungen bleiben dennoch aus.

Sowohl US-Präsident Biden als auch seine Ostbeauftragte im Außenministerium, Victoria Nuland, hatten vor der Pipeline- Explosion unmissvertändlich klargemacht, dass man dem deutsch-russischen Gasversorgungsprojekt Nord Stream2 „ein Ende machen“ werde, falls Russland in die Ukraine einmarschiere. Die Aussagen fielen im Januar und Februar 2022.

Biden erhob seine Drohung im Zuge einer Pressekonferenz, während er direkt neben dem deutschen Kanzler stand. Auf die Frage einer Journalistin, wie er das denn tun wolle, da die Pipeline doch in der Entscheidungsgewalt Deutschlands liege, gab er die kryptische Antwort: „Ich verspreche Ihnen, wir werden dazu in der Lage sein.“ Nuland zufolge war der deutschen Seite in „harten, offenen Gesprächen“ klargemacht worden, dass — sprächen in der Ukraine die Waffen — die Pipelines ihr „natürliches“ Ende fänden, „so oder so“. Als dieser Job getan war, verkündete dieselbe Frau Nuland in einer öffentlichen Senatsanhörung ihre „starke Befriedigung, zu wissen, dass Nord Stream jetzt ein Haufen Schrott am Grund des Meeres ist“. Sie denke da auch für die ganze US-Administration sprechen zu können.

Nulands Beitrag zur Aufheizung der Ostpolitik ist keineswegs neu. Die Scharfmacherin ist mit dem neokonservativen Regierungsberater Robert Kagan verheiratet, ebenfalls ein Heißsporn, der in George W. Bushs Post-9/11-Kriegen seine Rolle spielte. Beide wussten stets die typisch amerikanische Struktur nicht gewählter „Nebenregierungen“ zu nutzen: Lobbies, Pressure Groups und Thinktanks wie das kriegstreiberische „Project for a new American Century“, nach dem Motto: „Das imperiale Amerika braucht ein neues Pearl Harbour als Türöffner.“ Oder, aktuell, die RAND-Corporation; deren Studie „Weakening Germany“, in der ein Containment Kontinentaleuropas und allen voran Deutschlands als wünschenswert und mittels einer Übersteuerung des Ukrainekonflikts auch als machbar bezeichnet wird, wurde wiederholt als Fälschung bezeichnet. Doch selbst wenn das stimmt, selbst wenn dieses vorgeblich am 25. Januar 2022 an US-Regierungsbehörden versandte Memorandum von russischen Berufstrollen stammt, so bleibt der beunruhigende Fakt bestehen, dass RAND etliche derartige Strategiepapiere verfasst hat, die bereits in veröffentlichter Version zeigen, welches Geistes Kind man dort ist.

Dass amerikanische Entscheidungsträger neuerdings von RAND vor einem unkontrollierten Ausufern des Osteuropakonflikts gewarnt werden, muss keineswegs heißen, dass die Thinktanker den Frieden liebten — sie könne auch einfach nicht wollen, dass die USA zu früh in die Schlägerei verwickelt werden; die Vorbilder 1917 und 1944 zeigen schließlich, wie man zur Erringung des Weltenthrons ohne großen Aderlass europäische Kriege gewinnt.

Allein schon die Vorteilsnahmen, das cui bono, sowie die im Vorfeld der Tat offen geäußerten Wünsche und drohenden Absichtserklärungen würden bei jeder Mordermittlung zu einer sofortigen Verhaftung des Verdächtigen führen — Untersuchungshaft und Verhöre wären die sichere Folge.

Allein, im Fall Nord Stream 2, bleibt der Finstermann unangerührt. Obwohl sich die Indizienlage gegen ihn nach der Tat weiter verdichtetet.

Hacker KimDotCom traute seinen Augen nicht, als er — legal, wie er behauptet — auf eine Nachricht stieß, welche die britische Premierministerin Liz Truss auf ihrem iPhone dem amerikanischen Außenminister Blinken nur eine Minute nach Explosion der Nordstream-Pipeline geschickt hatte. „It´s done“ stand dort, zu deutsch „Es ist erledigt!“

Stellt sich die Frage, ob man diese Nachricht einem Komplizen zusenden musste, der selbst aktiv an dem Unternehmen wirkte. Nicht unbedingt, würde man meinen. Ist also Uncle Sam eine Art moderner Marinus van der Lubbe oder Lee Harvey Oswald? Völlig ausgeschlossen ist das nicht. Allein, wenn es sich so verhält, dann darf als sicher gelten, dass die Briten nicht alleine handelten. Trotz des seit Jahren geführten — und mitunter sehr schmutzig bestrittenen — Kleinkriegs mit der kontinentaleuropäischen EU würde das perfide Albion eine derartige Aktion nicht ohne allerhöchsten Flankenschutz abwickeln.

Aufmerksame Beobachter erinnern sich an dieser Stelle vielleicht an eine weitere, sehr eindeutige Gratulation, die es im unmittelbaren Anschluss an den maritimen Doppelwumms gegeben hatte. Der in großen Medien immer wieder einmal gegenströmig in Erscheinung tretende britische Leitartikler Peter Hitchens hatte sie, als der Westen keine Notiz nahm, wohl als erster veröffentlicht. Am 29. September 2022 las man unter seinem Twitter-Account Peter Hitchens@ClarkeMicah:

„What has happened to this interesting tweet by @radeksikorski, former Polish Foreign Minister, now Euro MP and married to influential journalist @anneapplebaum? It seems to have been deleted.“

Auch der Whistleblower Edward Snowden erinnert sich dieser Enthüllungtage, dass es den Post gegeben hatte:

Über den Hintergrund von Anne Applebaum lohnt es sich, vor der Fragestellung nachzudenken, wem ihre Loyalität am Ende wirklich gehört. Denn Sikorskis Post kann, so wie die Aussendung von Truss, eine bewusste Ablenkung sein. London-Warschau-Washington-Moskau-Berlin... und andere. Viel, beängstigend viel erinnert an die Dunkeldiplomatie des Jahres 1939. Und die führte direkt in einen Weltkrieg.

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