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Lesungen aus einem verbotenen Buch

Lesungen aus einem verbotenen Buch

Zur erstaunlichen Aktualität der Gedanken des „größten Führers aller Zeiten“, Teil 2.

Vorab: Hier geht es zu Teil 1 dieser Artikelreihe.

Es ist kaum überraschend, dass auch Adolf Hitlers Kindheit und Jugend richtungsweisend für die Entwicklung seines Charakters war. Seine Selbstdarstellung im ersten Kapitel von „Mein Kampf“ steht zu dieser erworbenen Persönlichkeit. Das wirkt nachvollziehbar wie authentisch und der Autor war sichtbar stolz auf das, was er ausprägte:

„Ich glaube, daß schon damals mein rednerisches Talent sich in Form mehr oder minder eindringlicher Auseinandersetzungen mit meinen Kameraden schulte. Ich war ein kleiner Rädelsführer geworden, der in der Schule leicht und damals auch sehr gut lernte, sonst aber ziemlich schwierig zu behandeln war.“ (1)

Schon als Junge hatte er eine auffällige Herrschsucht entwickelt, die er offenbar auch bereits mit einer gewissen Rücksichtslosigkeit anstrebte, was sich in Jähzorn ausdrückte. Außerdem erzählt uns Hitler sehr glaubwürdig, wie Werte in jungen Menschen ausgebildet werden. Wenn die Umgebungsbedingungen Macht und Herrschaft lobpreisen, bleibt das für junge Menschen nicht ohne Folgen und so erfuhr Hitler die Sozialisierung, die ihn, wie viele tausend Altersgefährten beizeiten kriegstauglich (im Geiste) machte:

„Beim Durchstöbern der väterlichen Bibliothek war ich über verschiedene Bücher militärischen Inhalts gekommen, darunter eine Volksausgabe des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71. Es waren zwei Bände einer illustrierten Zeitschrift aus diesen Jahren, die nun meine Lieblingslektüre wurden. Nicht lange dauerte es, und der große Heldenkampf war mir zum größten inneren Erlebnis geworden. Von nun an schwärmte ich mehr und mehr für alles, was irgendwie mit Krieg oder doch mit Soldatentum zusammenhing.“ (2)

Der Krieg war so für den Jungen kein Ereignis, dass sich mit Grauen, Tod, Verwüstung und Verlust verband, sondern der Feldzug heldenhafter Ritter für das Edle und Gute auf der Welt. So wurde Ende des 19. Jahrhunderts zum Kriege gelockt und so tut man es noch immer im Deutschland des 21. Jahrhunderts.

Womit ein weiterer Einschub mit Blick auf die deutsche Gegenwart passend erscheint. Denn Heldengemälde werden heute technisch anders realisiert. Aber die Methoden, Menschen geistig in eine Märchenwelt ethisch reiner Friedenskrieger hineinzuziehen und ihnen zu verschweigen, für wen und für was sie da Waffen einsetzen sollen und wie traumatisch die Konsequenzen – nicht zuletzt für sie selbst ausfallen, die sind geblieben. Denn das System aus Macht und Herrschaft ist ja in seinem Wesen auch geblieben. Da möge noch so viel von demokratischen Werten fabuliert werden. Heute sieht Kriegspropaganda so aus (b1):

Bild

Wenn es um Krieg geht, um seine Legitimierung, feiert die Vergewaltigung der Sprache einen Triumph nach dem Anderen. Das Bild strahlt uns entgegen, wenn wir die Seite des sogenannten (!) Bundesministeriums für Verteidigung öffnen (3). Sie werden allein mit diesem Bild mehrfach betrogen – also böse manipuliert.

Eine Armee die sich Bundeswehr nennt, posiert auf einem Bild – aufgenommen auf einem anderen Kontinent. Bundeswehr bedeutet, dass es sich um eine Wehr, eine militärische Macht zur Verteidigung des Bundesgebietes handelt. So jedenfalls lässt es sich über die saubere semantische Interpretation eines deutschen Wortes herauslesen.

Der Widerspruch zwischen Behauptung und Realität ist so deutlich, dass der Verstand hier sofort sein Veto einlegen müsste. Tut er aber nicht. Denn das erfordert die vorherige Reflexion. Wenn die aber ausbleibt, wird die rein emotionale Botschaft in Ihnen haften bleiben. Besonders abstoßend empfinde ich, wie Kinder missbraucht werden, um Schuldgefühle zu erzeugen und die Notwendigkeit von Gewalt zur Friedenssicherung in den Menschen zu verinnerlichen.

Friedenssicherung mit militärischer Gewalt – das dürfte eigentlich jedem Menschen klar sein – ist ein Widerspruch in sich. Denn militärische Gewalt ist ja eben Krieg und ein Bruch des Friedens.

Die Bundeswehr hat einen Auftrag zur Landesverteidigung. Dieser Auftrag wird verletzt, indem sie zur Interventionsarmee umgewandelt wird. Es gab in der jüngeren deutschen Vergangenheit schon einmal eine Wehrmacht. Auch diese ist – semantisch gesehen – eine Verteidigungsmacht gewesen. Und auch diese hat ihre Interventionen immer mit der selbst definierten Ethik der Macht als Verteidigung begründet. Und auch in dieser Armee marschierten junge Menschen, denen zuvor ein Heldengemälde vom guten Krieg in die Köpfe gebrannt wurde.

Die stärkste Prägung erfahren Menschen in ihrer Kindheit und Jugend und ein Adolf Hitler unterschied sich mit großer Wahrscheinlichkeit kaum von den anderen Zeitgenossen. Das schon ist eine große, wertvolle Botschaft in „Mein Kampf“; nämlich das Aufzeigen der singulären Ursachen, die Krieg möglich machen. Heute erfahren wir eine Gesellschaft, deren Eliten in zunehmender Selbstüberhebung Politik und Militär weltweit als legitime Ordnungsmacht auftreten lassen. Erkennen Sie die Parallelen zum aufstrebenden deutschen Kaiserreich Ende des 19.Jahrhunderts?

Zufällig stieß ich auf einen Paragraphen im Strafrecht, den ich Ihnen keinesfalls vorenthalten möchte (4):

§ 109d
Störpropaganda gegen die Bundeswehr
(1) Wer unwahre oder gröblich entstellte Behauptungen tatsächlicher Art, deren Verbreitung geeignet ist, die Tätigkeit der Bundeswehr zu stören, wider besseres Wissen zum Zwecke der Verbreitung aufstellt oder solche Behauptungen in Kenntnis ihrer Unwahrheit verbreitet, um die Bundeswehr in der Erfüllung ihrer Aufgabe der Landesverteidigung zu behindern, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Der Versuch ist strafbar.

Da stellt sich mir aber eine dringende Frage: Was versteht das Strafrecht unter Landesverteidigung? Sind wir so weit, dass die Auslandseinsätze der Bundeswehr, weit außerhalb ihres Territoriums, als Landesverteidigung verstanden werden MÜSSEN? „Natürlich nicht“, das ist leicht daher gesagt. Denn wenn es alle so hinnehmen. Wenn wir uns der Orwellschen Sprache beugen, die eine Sprache der Deutungshoheit, ein Symbol von Herrschaft ist. Dann lautet die Antwort nämlich JA!

Es ist ja so, dass ich ganz klar diese Texte unter anderem schreibe, um die Bundeswehr an ihren Einsätzen im Ausland zu hindern. Und zwar genau deshalb, weil eben diese Art Einsatz rein gar nichts mit Landesverteidigung zu tun hat. Die Bundeswehr trägt ihren Auftrag im Namen. Aber sie verletzt ihren Auftrag aufs Gröblichste.

Stellen Sie sich einfach vor, diese da in Afrika unter dem Vorwand einer „Stärkung der Zivilgesellschaft“ praktizierenden deutschen Bundeswehreinheiten (5,a1) würde sich nennen:

  • „deutsche Kolonialarmee“ oder
  • „deutsche Eingreiftruppe zur Sicherung globaler Handelswege“ oder
  • „deutsch-militärischer Rohstoffsicherungsverband“,

was ihre Aufgabe ziemlich präzise beschreiben würde. Befriedet – im Sinne der Herstellung von Friedhofsruhe und Disziplinierung der verbleibenden Bevölkerung – haben deutsche Truppen ja bereits vor über 100 Jahren in Südwestafrika (6).

Die junge Generation um Adolf Hitler herum hat damals erfahren, dass den Eingeborenen erst einmal Kultur und vor allem Arbeiten beigebracht werden müsste. So förderte man die Überhebung von Menschen, die sich ansonsten klein und bedeutungslos vorkamen. Dort ordne ich den Begriff Rassismus ein und der „Stärkung der Zivilgesellschaft“ in afrikanischen Staaten durch die Europäische Union heute liegt genau das gleiche rassistische Denken zugrunde, welches meint, den Mohren da unten beibringen zu müssen, wie man ordentlich zusammenlebt. Vor über 100 Jahren wie heute wurden im Prinzip die gleichen westlichen Werte exportiert und die Ressourcen der geplünderten Gebiete unter minimalisierten Kosten importiert (7).

Was bitte ist also heute in der Argumentation anders?

Vom Grundsatz her gar nichts. Man nennt das Ganze „Europäische Sicherheitspolitik“, was ich wiederum nenne: Gewaltpolitik – verbrämt mit wohlfeilen Worten. Wenn ich Verantwortung wahrnehme und mich daher als Teil einer Gesellschaft begreife, die sich dem Frieden verpflichtet fühlt, dann kann ich gar nicht anders, als die Mittel, die ich für mich erkenne, einzusetzen, um zu verhindern, dass „meine“ Armee Krieg führt.

Es darf daher an dieser Stelle noch einmal darauf hingewiesen werden, dass der Auftrag der Bundeswehr weder von der Politik definiert wird noch von Wirtschaftsverbänden, noch von Denkfabriken und auch nicht von Bündnispartnern (was immer man darunter auch verstehen möge). Der Auftrag der Bundeswehr ist im Grundgesetz festgeschrieben und im Sinne einer Demokratie der Auftrag seiner Bürger, die Sicherheit der Grenzen des Landes zu gewährleisten. Wenn das nicht mehr gilt, dann ist das ein weiteres Symptom, dass wir es nur mit einer Fassadendemokratie zu tun haben. Gilt es noch?

Haben Sie es gemerkt? Ich habe Sie gerade angelogen.

Nichts ist im Grundgesetz zum Mandat der Bundeswehr festgeschrieben. Die Fassadendemokratie existiert und funktioniert. Die politische Macht selbst – in hohem Maße abhängig von politischen, ideologischen und wirtschaftlichen Funktionsträgern – hat den Kolonialismus längst wieder zur Staatsdoktrin erhoben. Eine desinformierte Bevölkerung, die in ihrer Gesamtheit nicht willens ist, was sie da liest, zu hinterfragen, schluckt daher solche Kröten:

„Risiken und Bedrohungen entstehen vielmehr aus zerfallenden und zerfallenen Staaten, aus dem Wirken des internationalen Terrorismus, terroristischen und diktatorischen Regimen, Umbrüchen bei deren Zerfall, kriminellen Netzwerken, aus Klima- und Umweltkatastrophen, Migrationsentwicklungen, aus der Verknappung oder den Engpässen bei der Versorgung mit natürlichen Ressourcen und Rohstoffen, durch Seuchen und Epidemien ebenso wie durch mögliche Gefährdungen kritischer Infrastrukturen wie der Informationstechnik." (8)

Das ist zitiert aus den verteidigungspolitischen Richtlinien vom 18. Mai 2011 und ich habe auf die Schnelle neun Lügen erkannt. Neun Lügen, mit denen ganz offiziell geostrategische Konzepte eines globalen Einsatzes deutscher Streitkräfte begründet werden. Neun Lügen, die Jedermann mit relativ wenig Aufwand aufdecken kann, so er den Willen dafür entwickelt.

„Deutsche Sicherheitsinteressen ergeben sich aus unserer Geschichte, der geographischen Lage in der Mitte Europas, den internationalen politischen und wirtschaftlichen Verflechtungen des Landes und der Ressourcenabhängigkeit als Hochtechnologiestandort und rohstoffarme Exportnation.“ (9)

Sehen Sie, was da (übersetzt) steht?

„Wir haben es nicht, also holen wir es uns.“

In was für einer Demokratie leben wir? Richtig, in einer Fassadendemokratie. In dieser muss gelogen werden, andernfalls würden nämlich die wirklichen Ursachen zur Sprache kommen müssen.

Übrigens stand zu Hitlers Jugendzeiten draußen dran, was es drin zu kaufen gab: Kolonialwaren. Wohlstand für eine breite, aber für das basierende Elend anderswo blinde nennenswerte Bevölkerungsschicht gab es schon damals, wenn auch auf bescheidenerem Niveau (10). Heute finden wir die Kolonialwaren (natürlich nicht mehr so verdächtig gekennzeichnet) im Supermarkt, wie beruhigend für das schlechte Gewissen.

Es muss uns aber auch klar sein: Wenn wir weiter so konsumieren wollen wie bisher, wenn wir unsere Mobilität nicht ändern wollen. Wenn wir auch zukünftig mindestens zweimal im Jahr in den Urlaub düsen möchten. Wenn wir unser Wertesystem nicht hinterfragen. DANN BRAUCHEN WIR GENAU SOLCH EINE POLITIK. Und so gesehen, ist es mir sehr wichtig, darauf hinzuweisen, dass die zunehmend aggressive deutsche Außenpolitik letztlich doch den Wählerwillen honoriert.

Der weiter oben zitierte Paragraph des Strafgesetzbuches – das sei noch festgehalten – würde auf mich und damit auf jeden anderen Menschen, der in dieser Richtung Verantwortung wahrnimmt, allerdings nicht anwendbar sein, denn er bezieht sich ja auf die Tätigkeiten, die geeignet sind:

„um die Bundeswehr in der Erfüllung ihrer Aufgabe der Landesverteidigung zu behindern“ (11).

Davon kann weder in Afghanistan noch in Syrien und im Irak, noch in Afrika und auch nicht im Kosovo die Rede sein.

Zurück zu Adolf Hitler und „Mein Kampf“:

Es ist auffällig, dass Hitler kaum über seine Mutter spricht, obwohl er doch das erste Kapitel seines Buches mit „Mein Elternhaus“ überschreibt. Mehr noch spielen seine Eltern als wichtigste soziale Bindung insgesamt keine wirkliche Rolle. Es fehlen jedwede emotionale Eindrücke aus dieser Zeit.
Kindheit und Jugend reduziert sich in der Erinnerung Hitlers auf Machtthemen. Die Herrschsucht hat der junge Adolf mit großer Wahrscheinlichkeit durch die Sozialisierung seines Elternhauses verinnerlicht, in dem die Mutter sich ihrem Mann unterwarf und in diesem Konflikt der Sohn ungenügend Liebe durch die Mutter erfuhr. Sie findet seine Erwähnung erst am Ende des Kapitals und auch da erfährt der Leser eher beiläufig, dass sie lange an einer Krankheit litt (Brustkrebs) und daran auch verstarb (12).

Seinen Vater und das Verhältnis zu ihm beschreibt er absolut glaubhaft im Konflikt um die Entscheidung über den eigenen zukünftigen Weg:

„Endlich wäre es seiner in dem bitteren Existenzkampfe eines ganzen Lebens herrisch gewordenen Natur aber auch ganz unerträglich vorgekommen, in solchen Dingen etwa die letzte Entscheidung dem in seinen Augen unerfahrenen und damit eben noch nicht verantwortlichen Jungen selber überlassen. Es würde dies auch als schlecht und verwerfliche Schwäche in der Ausübung der ihm zukommenden väterlichen Autorität und Verantwortung für das spätere Leben seines Kindes unmöglich zu seiner sonstigen Auffassung von Pflichterfüllung gepaßt haben.“ (13)

Das ist ziemlich eindeutig. Hitler ging in den Machtkampf mit dem Vater. Trotz der Schuldgefühle ihm gegenüber, die er auch ein viertel Jahrhundert später sichtbar werden ließ (a1): Der Junge rebellierte gegen des Vaters Autorität. Wenn Macht verinnerlicht ist, was bei ihm ganz offenbar beizeiten geschehen war, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Unterwerfung oder Auflehnung. Der Junge gewann den Machtkampf – trotz regelmäßiger Prügelorgien des Vaters (14), was ihn in der Ausformung seines Charakters bestärkte.

Dieser Charakter legte sich nun über seine natürlichen Interessen und Begabungen. Denn Adolf Hitler hatte als Elfjähriger den Beschluss gefasst, Kunstmaler werden zu wollen. Dieses Ziel hat er später lange und ernsthaft verfolgt und dahinter verbirgt sich das Wahrhaftige seines Wesens, was jedoch systematisch verdrängt wurde. Dieses nachfolgende Leben wider die Natur wird insgesamt als Versagen wahrgenommen und dafür hassen sich die Betroffenen. Ausleben tun sie es dann allerdings in Zynismus – und ein extremer Zyniker, der damit seine Schuldgefühle nach außen kanalisierte, wurde Hitler zweifellos.

An dieser Stelle wird gern geäußert: Wäre er es nur geworden – Kunstmaler, dann wäre der Welt viel erspart geblieben.

Das glaube ich nicht. Hitler war als Mensch einzigartig. Das gilt aber für alle Menschen. Gut, Hitler war prädestiniert, in einem Machtsystem rücksichtslos Interessen durchzusetzen. Dafür wurde er in die Rolle lanciert, die er letztlich mit aller Konsequenz ausfüllte. Hitler hat sich jedoch die Macht viel weniger erobert, als allgemein kolportiert wird.

Hitler wurde in Macht gebracht. Er wurde gesucht und gefunden.

Sind doch in einem Macht- und Herrschaftssystem jederzeit andere Kandidaten vorhanden, die sich Strategen mit pathologischen Neigungen anbieten. Die Geschichte wird von Menschen geschrieben, natürlich. Aber auch Adolf Hitler ist nicht schuld – schon gar nicht allein schuld, dass es zum Weltenbrand kam. Und das deutsche Volk ist es natürlich auch nicht. Denn Schuld wird von Herrschaft definiert und delegiert.

In seiner Rolle als Brandstifter eines großen Krieges wäre Hitler allemal ersetzbar gewesen. Dass es Hitlers Charisma gewesen wäre, was das deutsche Volk hörig anbetete und ihn so auf den Thron des Diktators hievte, ist eine Mär. Mehr noch ist es Geschichtsklitterung, weil es die komplexe Geschichte (samt Vorgeschichte) der beiden Weltkriege auf das Phänomen einer Herrscherfigur zurechtstutzt.

Genauso aber sind ein Großteil der Dokumentationen aufgesetzt, die sich mit dem Nazi-Regime befassen. Da denke ich vor allem an Guido Knopps TV-Serie „Hitlers Helfer“. Die kaschiert, dass Hitler selbst ein Helfer war – wessen Helfer? Das wird uns noch mehrfach beschäftigen.

Was bleibt über Hitlers Kindheit zu sagen? Eines bekam er ganz offensichtlich nicht: Liebe und Verständnis. So bekam er auch nicht gelehrt, empathisch zu sein. Er hatte ein äußerst distanziertes Verhältnis zu seinen Eltern und seine Talente wurden nicht gefördert. Sein Lebensweg wurde von Anderen entschieden, Rebellion dagegen wurde mit Gewalt bestraft.

Hitler bekam über sein Elternhaus, das die gesellschaftlich als Norm begriffene Unterwerfung vor Autoritäten lebte, die Fähigkeiten, die unabdingbar sind, um rücksichtslos Machtpolitik zu betreiben. Er wurde für Herrschaft konditioniert. Dabei war er als Mensch für immer zutiefst verletzt. Er bekam später nicht mehr die Gelegenheit, sein Kindheitstrauma zu verarbeiten, wie er sich wohl eine solche Chance auch selbst nicht gab. Den Tod seiner Mutter kommentierte Hitler mit folgenden Worten:

„Es waren die glücklichsten Tage, die mir nahezu als ein schöner Traum erschienen(a2); und ein Traum sollte es ja auch nur sein. Zwei Jahre später machte der Tod der Mutter all den schönen Plänen ein jähes Ende.“ (15)

Und aus meiner Sicht, sprach er die Wahrheit, als er sagte:

„Dennoch traf besonders mich der Schlag entsetzlich. Ich hatte den Vater verehrt, die Mutter jedoch geliebt.“ (16)

So ist das mit durch Gewalt traumatisierten Kindern. Sie küssen die Hand, die sie schlägt und geloben besser zu werden, damit sie nicht mehr geschlagen werden müssen. Denn sie fühlen sich schuldig und solidarisieren sich mit den Tätern. Und sie lieben (hier die Mutter), auch wenn sie die Liebe nicht zurückbekommen. Doch diese fehlende Liebe schlägt sich im weiteren Leben in Gefühlsarmut nieder, weil als Kind nicht gelernt wurde, mit den Gefühlen anderer umzugehen und die eigenen Gefühle nicht erwidert wurden.

Bleiben Sie in dem Sinne schön aufmerksam.


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Quellen und Anmerkungen:

(a1) Nachdem unter maßgeblicher Teilhabe zweier EU-Staaten Libyen verheert und dort die terroristischen Milizen des Islamischen Staates implementiert wurden, was sofort zu einer Destabilisierung der Staaten in der Sahel-Zone führte, ist man in der EU nun dreist genug, von einer Stärkung der Zivilgesellschaft in jenen Staaten durch Militär (unter anderem) Deutschlands und Frankreichs zu reden. Wohlweislich werden dabei die wirtschaftlichen Interessen der europäischen Mächte in diesen afrikanischen Staaten tunlichst verschwiegen.
(a2) Das Zitat (11) lässt erkennen, dass Hitler noch Jahrzehnte später seinen Vater gewissermaßen um Verständnis bittet, für das, was er – Hitler – in seinem subjektiven Ehrenkodex verletzt hat; und zwar die Autorität des „Vorgesetzten“. Das bedeutet aber auch, dass er diese Schuldgefühle niemals verarbeiten konnte.
(a3) Infolge eines bei Adolf Hitler festgestellten Lungenleidens rieten die Ärzte von einer Beamtenlaufbahn für den Jungen ab, sodass ihn die Mutter von der Realschule nahm und ihn zur Akademie (mit künstlerischer Ausrichtung) schickte. Dies geschah, nachdem der Vater verstorben war.
(1) Mein Kampf, Erster Band – Eine Abrechnung; Adolf Hitler; Kapitel 1: Im Elternhaus, S.3; Zwei Bände in einem Band; ungekürzte Ausgabe; Zentralverlag der NSDAP., Frz. Eher Nachf., G.m.b.H., München; 851.–855. Auflage 1943 (im Weiteren kurz als MKAH genannt)
(2) MKAH; S.4; Kap. Im Elternhaus
(3) 9.1.2018; Webseite des sogenannten Bundesministeriums für Verteidigung; https://www.bmvg.de/de
(4,11) 7.1.2018; Strafgesetzbuch; https://dejure.org/gesetze/StGB/109d.html
(5) 29.6.2016; https://ec.europa.eu/germany/news/europ%C3%A4ische-union-verst%C3%A4rkt-ihre-unterst%C3%BCtzung-f%C3%BCr-mali_de
(6) 16.2.2016; http://www.deutschlandfunk.de/voelkermord-deutschland-verhaandelt-ueber-entschaedigung-der.724.de.html?dram:article_id=345814
(7) 10.1.2018; http://namib.info/namibia/de/geschichte/aufstand_der_herero_und_nama/index.php
(8,9) 10.1.2018; https://de.wikipedia.org/wiki/Verteidigungspolitische_Richtlinien
(10) http://www.freiburg-postkolonial.de/Seiten/Kolonialwaren.htm
(12) 10.1.2018; https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Hitler#Schulzeit
(13) MKAH; S.5-6: Kap.1: Im Elternhaus
(14) Brigitte Hamann: Hitlers Wien. München 1998, S. 21 f.
(15,16) MKAH; S.16: Kap.1: Im Elternhaus
(b1) Screenshot aus Webpräsenz des „Verteidigungsministeriums“; 9.1.2018; Quelle: https://www.bmvg.de/de

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