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Lügen für den Krieg

Lügen für den Krieg

Gemeinsam mit der „Bild“ bombardiert Israel die palästinensische Zivilbevölkerung.

Am 17. Juli 2018 veröffentlichte die Botschaft Israels in Deutschland bei Twitter eine „brandheiße“ Mitteilung (1) mit folgendem Inhalt:

„Die neueste Erfindung der #Hamas – ein Falke, an dem ein Brandsatz befestigt ist, mit dem er von #Gazanach #Israel fliegen und Felder in Brand setzen sollte. Nach Angaben der israelischen Naturschutzbehörde ist dies das erste Mal, dass Wildtiere für Feuer-Terror benutzt werden.“

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Zu sehen ist auf den entsprechenden Bildern ein Bündel Federn, welches an einer Schnur hängt, die offensichtlich zwischen dem Boden und den Ästen eines Baumes gespannt wurde. Wenn man das sieht, würde man wohl normalerweise sagen „Oh, da hat jemand eine Schnur aufgespannt und dann ein paar Federn daran geknotet.“

Da hängen also ein paar Federn inklusive angeblicher Brandsätze im israelischen Gebiet nahe des Gazastreifens und man kann entweder davon ausgehen, dass die da jemand hingehängt hat, der einen Nutzen davon haben wollte in Form einer Propagandastory („Die neueste Erfindung der Hamas“) oder man kann von der Story der israelischen Botschaft ausgehen und dem, was sie impliziert:

Dass das ganze keine Attrappe aus einem Bündel Federn ist. Dass sich hier tatsächlich ein Wüstenfalke (2) irgendwie in einer Kordel verfangen hat, die irgendjemand da rein zufällig platziert hat (Was sagt eigentlich die in dem Tweet der Botschaft erwähnte israelische Naturschutzbehörde dazu?). Dass der Falke bei seinem Flug mit dem Brandsatz nicht selbst verbrannt ist. Dass es ja eine Zeitschaltuhr an dem Brandsatz gegeben haben könnte, damit dies nicht geschieht, diese aber wiederum im Einsatz versagt hat und nicht auslöste, als „der Falke“ an der Schnur hing. Dass ein solcher aufwendiger und teurer Einsatz von Falken, der, selbst wenn das alles stimmen würde, wohl nur eine geringe Chance hätte, irgendein Feld anzuzünden, und stattdessen „in der Pampa“ – wie auf dem Bild zu sehen – verbrennt, das ist, was den Palästinensern einfällt, wenn es um Widerstand gegen die israelischen Behörden geht, weil sie ja „bekanntlich krank im Kopf sind“, was sich durch das Quälen der armen Wildtiere zeigt.

Während in den letzten Wochen und Monaten immer wieder Bilder aus dem Gazastreifen zu sehen sind, bei denen israelische Sicherheitskräfte Demonstranten erschießen oder schwer verletzen, versucht die israelische Regierung mit dieser und ähnlichen dämlichen Fake-News-Geschichten offenbar, ihre Unterstützer auf Linie zu halten und „zu verdeutlichen“, dass es sich bei den Palästinensern und ihrer Hamas-Regierung um böse Terroristen handelt, die sich nicht über eine entsprechende „Reaktion“ Israels beklagen sollten. Eine schlechte Ausrede für die Behandlung der „Eingeborenen“ im Gaza-Gebiet (3) durch die israelische Netanjahu-Regierung.

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Die BILD übernahm die bizarre Propaganda als "die Wahrheit" (4), journalistische Prinzipien gelten bei dem Blatt ohnehin als überbewertet. Doch die BILD wäre nicht die BILD, würde sie nicht noch einen draufsetzen: Unter dem Foto mit dem Federbündel heißt es dort:

"Was hat es damit auf sich: In Israel wurde nahe des Gaza-Streifens ein toter Falken auf einem verbrannten Baum gefunden."

Man beachte "ein toter Falken auf einem verbrannten Baum". Wo bitteschön ist denn da ein verbrannter Baum zu sehen? Da ist kein verbannter Baum auf dem Foto und die BILD schreibt das einfach darunter, weil es ja so sein MUSS im BILD-Universum. Was kümmert die BILD die Realität?

Doch BILD kann es noch besser. Einige Zeilen unter dem Fake-Foto heißt es: "Am Montag fanden Israelis einen toten Falken auf einem verbrannten Baum, nachdem die Feuerwehr 15 Brände gelöscht hatte. An ihm befestigt: ein Faden – wie die Hamas es auch bei ihren Feuer-Drachen und Ballons verwendet."

Lassen wir es uns noch einmal auf der Zunge zergehen: Das Foto der israelischen Botschaft, welches BILD in dem Artikel verwendet, soll einen Falken zeigen. Dieser wiederum soll aus Gaza gekommen sein und einen Brandsatz dabei gehabt haben, der den Baum verbrannt hat, an dem er sich jetzt irgendwie befindet, wobei an ihm ein nicht verbrannter Faden hängt. Er soll also nicht an einer nicht verbrannten Schnur hängen, was wohl möglich sein soll, weil da ein Faden "stramm nach oben fällt". Der Baum soll verbrannt sein, obwohl er noch ganz normal aussieht. Außen herum sollen weitere fünfzehn Brände gewütet haben, womöglich ausgelöst durch den "Falken", der aber wiederum nicht gebrannt hat.

Dass es sich hier um Fake News handelt, wird auf den ersten Blick klar. Erschreckend ist, das dies von der israelischen Botschaft in Deutschland verbreitet wird. Aus Diplomatie scheint in der heutigen Zeit ein Wettbewerb um die schnellste Lüge geworden zu sein, gerade auf unserer westlichen Seite, zu der ja auch Israel gehört.

Diese peinliche Feuerpropaganda wird von der israelischen Regierung inszeniert, um eine Begründung für Angriffe auf Gaza und auf palästinensische Demonstranten zu haben. Die israelische Seite gibt immer wieder öffentlich in den Medien an, ja nur die Feuerangriffe der Palästinenser stoppen zu wollen. Da wird dann sogar jeder Brand im Naturschutzgebiet zur Palästinenserattacke, als würde es die natürliche Feuerökologie des Mittelmeerraumes oder israelische Zündler nicht geben.

So präsentiert denn auch die „Bildzeitung“ in ihrem Artikel die Endlösung des Problems: "'Die Armee ist für jedes Szenario bereit', sagte Netanjahu in einer Militärbasis. 'Wie ich glauben alle Bürger Israels an die Armee und unterstützen sie bei jeder möglichen Entwicklung.' Bereits am Montag hatte Netanjahu zu verstehen gegeben, dass Israel keine Attacken gegen das Land akzeptieren und entsprechend antworten würde."


Quellen und Anmerkungen:

(1) https://twitter.com/IsraelinGermany/status/1019163416668327936
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/W%C3%BCstenfalke
(3) http://blauerbote.com/2016/09/29/syrien-frankreich-praesentierte-falschbilder/,
https://www.bild.de/politik/ausland/headlines/feuer-falke-terror-gegen-israel-56350526.bild.html

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